MethodeWas wird berechnet?
Die Brücke besteht aus zwei Spannungsteilern an derselben Speisespannung; die Ausgangsspannung ist die Differenz der beiden Teilerspannungen. Deshalb heben sich gleichsinnige Widerstandsänderungen in benachbarten Zweigen auf, während sie sich in gegenüberliegenden Zweigen addieren. Für kleine Widerstandsänderungen geht Gl. 4.1 in die linearisierte Grundgleichung 4.6 über.
Gleichungen
U_M/U_B = R₁/(R₁+R₂) − R₄/(R₃+R₄) (Keil Gl. 4.1)
Abgleich: R₁/R₂ = R₃/R₄
R_in = (R₁+R₂)‖(R₃+R₄)
GrenzenVoraussetzungen und typischer Fehler
Speisung mit konstanter Spannung und unbelasteter Messdiagonale (hochohmiger Verstärkereingang). Bei Konstantstromspeisung oder niederohmiger Last gelten andere Beziehungen.
Die Zweige falsch zuordnen: R₂ und R₄ liegen neben R₁, R₃ gegenüber; ein Tausch ändert das Vorzeichen des Signals.
EingabenWas du eingibst – und woher die Werte kommen
- Widerstand R₁ [Ω]
- Widerstand des ersten Brückenzweigs. Bei Messungen mit Dehnungsmessstreifen ist dies meist der aktive Streifen mit seinem tatsächlichen Wert unter Last: unbelasteter Nennwiderstand plus Widerstandsänderung. Woher: mit einem präzisen Ohmmeter gemessen oder aus dem Rechner „Widerstandsänderung aus Dehnung und k-Faktor“ übernommen.
- Widerstand R₂ [Ω]
- Widerstand des Zweigs, der mit R₁ den ersten Spannungsteiler bildet (liegt ‚neben' R₁). Bei einer Halbbrücke der zweite DMS oder Kompensationsstreifen, bei einer Viertelbrücke ein Festwiderstand im Messgerät. Woher: Nennwert oder Messung.
- Widerstand R₃ [Ω]
- Widerstand des Zweigs, der R₁ diagonal gegenüberliegt. Änderungen hier wirken in dieselbe Richtung wie bei R₁. Woher: Nennwert oder Messung; im Messgerät bei Viertel-/Halbbrücken ein Präzisionswiderstand.
- Widerstand R₄ [Ω]
- Widerstand des vierten Zweigs (bildet mit R₃ den zweiten Spannungsteiler, liegt ‚neben' R₁). Woher: Nennwert oder Messung.
- Speisespannung U_B [V]
- Die Brückenspeisespannung ist die Gleich- oder Wechselspannung, mit der der Messverstärker die Brückenschaltung versorgt. Das Messsignal ist proportional zu ihr – deshalb wird das Signal meist als Verhältnis mV/V angegeben und die Speisespannung nur für die absolute Signalspannung gebraucht. Woher: Einstellung am Messverstärker, üblich 2,5 V, 5 V oder 10 V; die Obergrenze bestimmt die Eigenerwärmung des DMS (siehe Rechner Speisespannung).
EinordnungWofür der Rechner da ist
Nachrechnen von Nullpunktfehlern durch Widerstandstoleranzen, Bemessen von Abgleichwiderständen und Prüfen, welches Signal ein Widerstandsnormal in einem Brückenzweig erzeugt.
Wie es weitergeht
- Alle vier Zweigwiderstände inklusive Leitungsanteilen eintragen.
- Speisespannung eingeben und Ausgangsspannung ablesen.
- Bei Bedarf einen Widerstand variieren, um Abgleich oder Verstimmung nachzuvollziehen.
QuelleFachliche Grundlage
Keil, Dehnungsmessstreifen, 2. Aufl. 2017, Abschn. 4.1–4.2, Gl. (4.1)–(4.6).
Die Quelle belegt die Gleichungsstruktur und die Zahlenbeispiele; dieser Rechner ersetzt keine Kalibrierung der Messkette.
FAQHäufige Fragen
Wozu die abgeglichene Brücke im Messtechnik-Cluster?
Dort wird aus dem Abgleich ein unbekannter Widerstand bestimmt; hier wird die Ausgangsspannung der bewusst verstimmten Brücke berechnet, wie sie DMS-Messungen nutzen.
Warum ist das Signal in mV/V angegeben?
Weil U_M proportional zu U_B ist; das Verhältnis kennzeichnet die Brücke unabhängig von der Speisung.
Ist die Ausgangsspannung linear in ΔR?
Nur näherungsweise; bei einem aktiven Zweig folgt aus Gl. 4.7 ein Fehler von der Größe der Dehnung selbst.
Weitere DMS-RechnerIm selben Cluster
Alle Dehnungsmessstreifen-Rechner