MethodeWas wird berechnet?
Die charakteristische Gleichung ist das gleich null gesetzte Nennerpolynom der Führungsübertragungsfunktion, also 1 + G₀(s) = 0 auf einen Nenner gebracht (Zacher/Reuter Gl. 6.8 und 6.21). Ein Regelkreis ist stabil, wenn alle ihre Wurzeln negativen Realteil haben. Hurwitz hat gezeigt, dass man die Wurzeln dafür nicht kennen muss: Notwendig ist, dass alle Koeffizienten vorhanden sind und gleiches Vorzeichen haben (Bedingung a); hinreichend ist, dass alle Hauptabschnittsdeterminanten der Hurwitz-Matrix positiv sind (Bedingung b, Gl. 6.16). Für n = 3 reduziert sich das auf a₁a₂ − a₀a₃ > 0 (Gl. 6.17), für n = 4 auf a₁a₂a₃ − a₀a₃² − a₁²a₄ > 0 (Gl. 6.19). Ist die letzte Determinante genau null, liegt ein Polpaar auf der imaginären Achse: Der Kreis führt eine Dauerschwingung mit ω = √(a₀/a₂) (n = 3) aus – das ist die Stabilitätsgrenze, die für die Ziegler-Nichols-Regeln gebraucht wird. Zur Kontrolle berechnet der Rechner zusätzlich die Wurzeln numerisch.
Gleichungen
aₙsⁿ + aₙ₋₁sⁿ⁻¹ + … + a₁s + a₀ = 0 (Gl. 6.8)
a) alle aᵢ vorhanden und gleichen Vorzeichens
b) D₁ = a₁ > 0, D₂ = a₁a₂ − a₀a₃ > 0, …, Dₙ > 0 (Gl. 6.16)
n = 3: a₁a₂ − a₀a₃ > 0 (Gl. 6.17); n = 4: a₁a₂a₃ − a₀a₃² − a₁²a₄ > 0 (Gl. 6.19)
Stabilitätsgrenze: Dₙ₋₁ = 0, Dauerschwingung mit ω² = a₀/a₂ (n = 3)
GrenzenVoraussetzungen und typische Fehler
Nur für gebrochen rationale Übertragungsfunktionen; eine Totzeit macht die charakteristische Gleichung transzendent (Zacher/Reuter Abschn. 6.2) – dann Nyquist verwenden. Das Kriterium sagt nur stabil/instabil, nichts über die Regelgüte: Ein Kreis knapp innerhalb der Grenze ist stabil, aber schlecht gedämpft.
Koeffizienten des offenen statt des geschlossenen Kreises einsetzen. Zeiteinheiten mischen (T₁ in s, T₂² in min²). Einen einzelnen negativen Koeffizienten übersehen – dann ist die Determinantenprüfung überflüssig, der Kreis ist bereits instabil.
BeispielPraxisbeispiel aus der Literatur
Zacher/Reuter Beispiel 6.1: P-T2-Strecke K_S = 0,5, T₁ = 30 s, T₂² = 200 s² mit PI-Regler K_PR = 10, Tn = 4 s. Charakteristische Gleichung: 800 s³·s³ + 120 s²·s² + 24 s·s + 5 = 0. Alle Koeffizienten sind positiv, aber a₁a₂ − a₀a₃ = 2880 − 4000 = −1120 s³ < 0 – instabil. Die Stabilitätsgrenze liegt bei Tn = 5,55 s; dort schwingt der Kreis mit ω = 0,173 s⁻¹. Alternativ erreicht ein D-Anteil mit Tv = 2,33 s die Grenze.
EinordnungWofür der Rechner da ist
Schneller Stabilitätsnachweis ohne Wurzelberechnung, Herleitung von Parametergrenzen (bis zu welchem K, welchem Tn bleibt der Kreis stabil), Kontrolle von Übungsaufgaben und Prüfungsrechnungen, Vorberechnung der Stabilitätsgrenze vor der Inbetriebnahme (Dubbel Abschn. 5.3).
So gehst du vor
- Charakteristische Gleichung aufstellen: 1 + G_R·G_S = 0 auf einen Nenner bringen und nach Potenzen von s ordnen.
- Koeffizienten a₀ … aₙ eintragen (oder aus dem Regelkreisformular übernehmen).
- Bedingung a und die Determinanten prüfen; bei D = 0 die Schwingfrequenz ablesen.
- Für Grenzwerte einzelner Parameter (Tn, Tv, K) die Gleichung D = 0 nach dem Parameter auflösen, wie in Beispiel 6.1.
QuelleFachliche Grundlage
Zacher/Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, 17. Aufl. 2024: Abschn. 6.1 Stabilitätskriterium nach Hurwitz (Gl. 6.1–6.21), Beispiel 6.1, Aufgabe 6.1. Heinrich, Grundlagen Regelungstechnik, 6. Aufl., Abschn. 7.2. Dubbel, Kap. X, Abschn. 5.3.
Die Quellen belegen Gleichungen und Zahlenbeispiele; die Referenzbeispiele werden in den automatischen Tests des Rechners nachgerechnet. Der Rechner ersetzt keine Simulation mit dem vollständigen nichtlinearen Anlagenmodell.
Zuletzt aktualisiert: 2026-09-20
FAQHäufige Fragen
Reicht Bedingung a allein?
Nein. Für n ≤ 2 ja (Zacher/Reuter Abschn. 6.1), ab n = 3 können alle Koeffizienten positiv und der Kreis trotzdem instabil sein – genau der Fall in Beispiel 6.1.
Was ist der Unterschied zu Routh?
Das Routh-Schema ist eine tabellarische Form derselben Aussage; beide liefern identische Urteile. Zacher/Reuter verwendet die Hurwitz-Determinanten, deshalb folgt der Rechner dieser Darstellung.
Wie finde ich die Koeffizienten aus Strecke und Regler?
1 + G_R(s)·G_S(s) mit dem Nenner beider Glieder multiplizieren und nach s ordnen (Zacher/Reuter Gl. 6.5). Der Rechner erledigt das für PTn-Strecken und PID-Regler, wenn Sie das Regelkreisformular nutzen.