Dehnungsmessstreifen · Messtechnik

Shunt-Kalibrierung-Rechner: Nebenschlusswiderstand

Berechne den Nebenschlusswiderstand R_N für ein gewünschtes DMS-Kalibriersignal – exakt und nach Näherung Gl. 8.7 – sowie die simulierte Dehnung.

DMSKeil 2017
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Eingaben

Gilt für die abgeglichene Brücke mit konstanter Speisespannung; Leitungswiderstände zwischen Shunt und Zweig verändern das Signal bei Gleichspannung geringfügig, bei hoher Trägerfrequenz erheblich.

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Ergebnisse

Werte eingeben und Berechnung starten.

Methode

Was wird berechnet?

Ein hochohmiger Widerstand parallel zu einem Brückenzweig senkt dessen Widerstand und verstimmt die abgeglichene Brücke reproduzierbar – so lässt sich die gesamte Messkette ohne mechanische Belastung prüfen. Keils Beispiel: Für 0,5 mV/V an einer 120-Ω-Brücke ist nach Gl. 8.7 ein Shunt von 60 kΩ nötig; exakt sind es 59,94 kΩ.

Gleichungen

R_K = R_N·R/(R_N+R) (Keil Gl. 8.1)

U_M = ½U_B·R/(2R_N+R) (Keil Gl. 8.5)

U_M/U_B ≈ R/(4R_N) ⇒ R_N = U_B·R/(4U_M) (Keil Gl. 8.6, 8.7)

ε_sim = −4·(U_M/U_B)/k

Grenzen

Voraussetzungen und typischer Fehler

Gilt für die abgeglichene Brücke mit konstanter Speisespannung; Leitungswiderstände zwischen Shunt und Zweig verändern das Signal bei Gleichspannung geringfügig, bei hoher Trägerfrequenz erheblich.

Den Shunt über die gesamte Halbbrücke statt über einen Zweig schalten oder das negative Vorzeichen des simulierten Signals als Fehler deuten.

Eingaben

Was du eingibst – und woher die Werte kommen

Zweigwiderstand R (DMS) [Ω]
Widerstand des Brückenzweigs, dem der Shunt parallelgeschaltet wird – bei einem selbst installierten DMS dessen Nennwiderstand (120 oder 350 Ω), bei einem fertigen Aufnehmer der Widerstand eines Brückenzweigs laut Datenblatt. Woher: DMS-Packung oder Aufnehmer-Datenblatt.
Gewünschtes Kalibriersignal U_M/U_B [mV/V]
Gewünschtes Prüfsignal in Millivolt Ausgangsspannung je Volt Speisespannung (mV/V). Ein Shunt ist ein bekannter Widerstand, der kurzzeitig parallel zu einem Brückenzweig geschaltet wird und dadurch eine definierte Belastung elektrisch nachbildet. Woher: eigener Prüfpunkt nahe dem Nennsignal oder Shunt-Kalibrierwert aus dem Aufnehmer-Prüfprotokoll.
k-Faktor
Der k-Faktor ist die Empfindlichkeit des Dehnungsmessstreifens: Er sagt, wie stark sich der elektrische Widerstand ändert, wenn der Streifen gedehnt wird (ΔR/R = k·ε). Ohne ihn lässt sich aus einem elektrischen Signal keine Dehnung berechnen. Woher: Er steht auf jeder DMS-Packung bzw. im Datenblatt des Herstellers, typisch 2,0 bis 2,1 für Konstantan-Folienstreifen; die Angabe gilt für Raumtemperatur. Der Wert muss auch im Messverstärker eingestellt sein.
Speisespannung U_B [V]
Die Brückenspeisespannung ist die Gleich- oder Wechselspannung, mit der der Messverstärker die Brückenschaltung versorgt. Das Messsignal ist proportional zu ihr – deshalb wird das Signal meist als Verhältnis mV/V angegeben und die Speisespannung nur für die absolute Signalspannung gebraucht. Woher: Einstellung am Messverstärker, üblich 2,5 V, 5 V oder 10 V; die Obergrenze bestimmt die Eigenerwärmung des DMS (siehe Rechner Speisespannung).
Einordnung

Wofür der Rechner da ist

Prüfen und Reproduzieren der Kalibrierung von Kraftaufnehmern und Wägezellen im eingebauten Zustand, Funktionskontrolle entfernter Messstellen, Skalierung von Datenerfassungssystemen.

Wie es weitergeht

  1. Zweigwiderstand und gewünschtes Kalibriersignal (z. B. Nennsignal des Aufnehmers) eintragen.
  2. Shunt aus der E-Reihe wählen, der dem exakten Wert am nächsten kommt, und das tatsächliche Signal zurückrechnen.
  3. Shunt möglichst am Aufnehmer zuschalten, bei 5-kHz-Trägerfrequenz kapazitive Kabelasymmetrien beachten.
Ergebnisse

So liest du die Ergebnisse

  • R_N exakt ist der Sollwert des Shunts; den nächsten Normwert wählen und mit dessen Wert das tatsächliche Signal zurückrechnen.
  • Die simulierte Dehnung ist der Kontrollwert für die Verstärkeranzeige: Stimmt sie, sind k-Faktor, Brückenfaktor und Verkabelung konsistent.
Ergebnisgrößen

Was jeder Wert bedeutet

R_N nach Näherung Gl. 8.7 [kΩ]
Näherungswert für den parallel zu schaltenden Prüfwiderstand. Für kleine Prüfsignale bis etwa 1 mV/V genügt er meist zur Bauteilauswahl; für eine genaue Kalibrierung den exakten Wert darunter verwenden.
R_N exakt nach Gl. 8.5 [kΩ]
Shunt-Widerstand nach der exakten Beziehung; der Unterschied zur Näherung ist R/2. Diesen Wert für hochgenaue Kalibrierungen verwenden.
Simulierte Dehnung (Viertelbrücke) [µm/m]
Dehnung, die der Messverstärker (im Viertelbrücken-Modus mit dem eingegebenen k-Faktor) beim Zuschalten des Shunts anzeigen muss. Negativ, weil der Parallelwiderstand eine Stauchung nachbildet. Zeigt das Gerät etwas anderes, stimmt k-Faktor, Brückenfaktor oder Verdrahtung nicht.
Kalibrierspannung U_M [mV]
Absolute Kalibrierspannung in Millivolt bei der eingegebenen Speisespannung.
Quelle

Fachliche Grundlage

Keil, Dehnungsmessstreifen, 2. Aufl. 2017, Abschn. 8.7.3 Nebenschlusskalibrierung, Gl. (8.1)–(8.7), Abb. 8.7.

Die Quelle belegt die Gleichungsstruktur und die Zahlenbeispiele; dieser Rechner ersetzt keine Kalibrierung der Messkette.

FAQ

Häufige Fragen

Ersetzt der Shunt eine Kalibrierung mit Kraft?

Nein, er reproduziert nur ein elektrisches Signal; die Zuordnung Signal ↔ Messgröße muss einmal mit Maßverkörperung erfolgen.

Warum ein negatives Signal?

Der Parallelwiderstand verringert den Zweigwiderstand wie eine Stauchung des DMS.

Welche Genauigkeit braucht der Shunt?

Mindestens die angestrebte Kalibriergenauigkeit, typisch 0,01 bis 0,1 %, und geringer Temperaturkoeffizient.