MethodeWas wird berechnet?
Bei einem schlanken Stab unter Längskraft und Biegung ist die Längsrichtung Hauptrichtung; jeder längs installierte DMS misst die Summe aus Normaldehnung und dem Biegeanteil an seiner Umfangsposition. Zwei gegenüberliegende Streifen haben gleichen Normal-, aber entgegengesetzten Biegeanteil, sodass Mittelwert und halbe Differenz die Anteile trennen. Keils Mastbeispiel (Tab. 10.1) liefert mit −246/−340/−324/−241 µm/m eine Druckdehnung von −288 µm/m und Biegeanteile nach hinten und Backbord.
Gleichungen
ε_N = (ε₁+ε₂+ε₃+ε₄)/4
ε_b,x = (ε₁−ε₃)/2, ε_b,y = (ε₂−ε₄)/2
ε_b = √(ε_b,x² + ε_b,y²), φ = atan2(ε_b,y, ε_b,x)
σ = E·ε (einachsig, Keil Tab. 10.1)
GrenzenVoraussetzungen und typischer Fehler
Kreis- oder doppelsymmetrischer Querschnitt, Streifen exakt um 90° versetzt auf gleichem Radius, keine Torsion (beeinflusst Längs-DMS nicht) und kein Temperaturunterschied zwischen den Messstellen.
Die Streifen nicht in der Reihenfolge des Umlaufs benennen; dann stimmt die Biegeebene nicht.
EingabenWas du eingibst – und woher die Werte kommen
- Dehnung DMS 1 (0°, z. B. vorn) [µm/m]
- Anzeige des ersten längs geklebten Dehnungsmessstreifens, der die Bezugsposition 0 Grad am Umfang festlegt. Alle vier Streifen müssen im selben Querschnitt und parallel zur Stabachse kleben. Woher: Dehnungsanzeige von Messkanal 1 nach gemeinsamem Nullabgleich; Druckdehnung mit negativem Vorzeichen übernehmen.
- Dehnung DMS 2 (90°, z. B. Backbord) [µm/m]
- Anzeige des zweiten längs geklebten DMS, der am Umfang 90° gegen den Uhrzeigersinn vom ersten sitzt (Blick in Stabrichtung). Zusammen mit Streifen 4 liefert er die Biegung in der zweiten Ebene. Woher: Kanal 2 der Messung.
- Dehnung DMS 3 (180°, z. B. hinten) [µm/m]
- Anzeige des dritten längs geklebten DMS, der dem ersten genau gegenüberliegt (180°). Die halbe Differenz zu Streifen 1 ist die Biegedehnung in dieser Ebene. Woher: Kanal 3 der Messung.
- Dehnung DMS 4 (270°, z. B. Steuerbord) [µm/m]
- Anzeige des vierten längs geklebten DMS, der dem zweiten genau gegenüberliegt (270°). Sein Unterschied zu Streifen 2 enthält die Biegung in dieser Ebene, der Mittelwert aller vier die Längskraft. Woher: Kanal 4 der Messung.
- Elastizitätsmodul E [N/mm²]
- Der Elastizitätsmodul beschreibt, wie steif der Werkstoff des Bauteils ist – wie viel Spannung nötig ist, um eine bestimmte Dehnung zu erzeugen (σ = E·ε). Er wird gebraucht, um aus gemessenen oder berechneten Dehnungen Spannungen zu machen und umgekehrt. Woher: Werkstofftabellen oder Datenblatt; Stahl ≈ 210 000 N/mm², Aluminium ≈ 70 000 N/mm², Titan ≈ 110 000 N/mm². Bei erhöhter Temperatur sinkt E.
EinordnungWofür der Rechner da ist
Beanspruchungsmessung an Masten, Stützen, Pfählen, Zugankern und Kolbenstangen, bei denen Längskraft und Biegung überlagert auftreten.
Wie es weitergeht
- Vier DMS in Längsrichtung um 90° versetzt installieren und in Reihenfolge gegen den Uhrzeigersinn benennen.
- Dehnungen eines Lastfalls gleichzeitig erfassen und eintragen.
- Spannungen mit zulässigen Werten vergleichen; Richtung der Biegeebene für die Lastdeutung nutzen.
QuelleFachliche Grundlage
Keil, Dehnungsmessstreifen, 2. Aufl. 2017, Abschn. 10.2.1 Beispiel Yachtmast, Tab. 10.1, Abb. 10.3–10.5; Abschn. 4.5, Gl. (4.14), (4.15).
Die Quelle belegt die Gleichungsstruktur und die Zahlenbeispiele; dieser Rechner ersetzt keine Kalibrierung der Messkette.
FAQHäufige Fragen
Warum vier statt zwei DMS?
Zwei gegenüberliegende Streifen trennen nur die Biegung in einer Ebene; die Biegeebene ist meist unbekannt.
Kann ich die Anteile elektrisch trennen?
Ja: Streifen 1 und 3 in gegenüberliegenden Zweigen (Schaltung VI) messen 2ε_N, in benachbarten Zweigen (IV) 2ε_b.
Was ist mit der Temperatur?
Ein gemeinsamer Kompensations-DMS auf unbelastetem Stabwerkstoff, wie im Keil-Beispiel, hebt den Temperaturgang für alle vier Messstellen auf.
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