- Was liegt als Messwert vor?
- Wähle, welche Zahl dir vorliegt. Zeigt der Messverstärker bereits eine Dehnung in µm/m an (Mikrometer pro Meter; 1000 µm/m = 0,1 % Längenänderung), ‚Dehnung‘ wählen. Zeigt er nur das Rohsignal der Wheatstone-Brücke in mV/V (Millivolt Ausgangsspannung je Volt Speisespannung), ‚Signal‘ wählen; dann werden k-Faktor und Brückenschaltung für die Umrechnung gebraucht.
- Gemessene Dehnung unter 45° ε₄₅ [µm/m]
- Die Dehnung, die ein in Stegmitte unter 45° zur Kraftrichtung geklebter Streifen anzeigt. Unter +45° ist sie positiv (Zug), unter −45° gleich groß negativ (Druck) – das ist das Kennzeichen von reinem Schub. Bei Halb- oder Vollbrücke die Dehnung eines einzelnen Streifens eingeben. Woher: Anzeige des Messverstärkers nach Nullabgleich am unbelasteten Stab.
- Brückensignal U_M/U_B [mV/V]
- Das rohe Brückensignal: Ausgangsspannung der Wheatstone-Brücke geteilt durch die Speisespannung, in mV/V. Keils Scherstab ist auf 1,74 mV/V bei 30 kN ausgelegt (vor der Temperaturkompensation der Speisung). Woher: Anzeige des Messverstärkers im Modus mV/V nach Nullabgleich.
- k-Faktor
- Der k-Faktor ist die Empfindlichkeit des Dehnungsmessstreifens: Er sagt, wie stark sich der elektrische Widerstand ändert, wenn der Streifen gedehnt wird (ΔR/R = k·ε). Ohne ihn lässt sich aus einem elektrischen Signal keine Dehnung berechnen. Woher: Er steht auf jeder DMS-Packung bzw. im Datenblatt des Herstellers, typisch 2,0 bis 2,1 für Konstantan-Folienstreifen; die Angabe gilt für Raumtemperatur. Der Wert muss auch im Messverstärker eingestellt sein.
- Brückenschaltung
- Wie die 45°-Streifen verschaltet sind – das legt den Brückenfaktor B fest, also wie oft die Dehnung eines Streifens im Signal steckt. Ein Streifen: B = 1. Ein Paar +45°/−45° in benachbarten Zweigen: die entgegengesetzten Dehnungen addieren sich, B = 2. Je ein Paar auf beiden Stegseiten (Keils Scherstab, Gl. 10.43): B = 4, außerdem Temperatur- und Biegekompensation. Woher: eigene Verdrahtung oder Datenblatt.
- Stegfläche
- Wie die Stegfläche bestimmt wird: aus Steghöhe mal Stegbreite, oder direkt eingegeben (z. B. aus der Zeichnung, wenn der Steg nicht rechteckig ist). Gemeint ist nur der dünne, senkrecht zur Kraft stehende Teil des Querschnitts, der den Schub trägt – nicht die Flansche.
- Steghöhe h [mm]
- Die Höhe des Stegs in Richtung der Querkraft, also der Abstand zwischen den beiden Flanschen bzw. die Höhe der Schubmembran (Keil: 46 mm). Woher: Zeichnung oder Messung an der Einfräsung.
- Stegbreite b [mm]
- Die Dicke des Stegs, also die Restwanddicke zwischen den beiden Einfräsungen, auf deren Grund die DMS kleben (Keil: 4,6 mm). Je dünner, desto größer die Dehnung bei gleicher Kraft. Woher: Zeichnung oder Messung.
- Stegfläche A_Steg [mm²]
- Die Stegfläche direkt in mm², nur wenn ‚direkt eingeben‘ gewählt ist. Keils Beispiel: 215 mm² (46 × 4,66 mm gerundet). Bei Walzprofilen: Steghöhe zwischen den Flanschen mal Stegdicke aus der Profiltabelle.
- Elastizitätsmodul E [N/mm²]
- Der Elastizitätsmodul beschreibt, wie steif der Werkstoff des Bauteils ist – wie viel Spannung nötig ist, um eine bestimmte Dehnung zu erzeugen (σ = E·ε). Er wird gebraucht, um aus gemessenen oder berechneten Dehnungen Spannungen zu machen und umgekehrt. Woher: Werkstofftabellen oder Datenblatt; Stahl ≈ 210 000 N/mm², Aluminium ≈ 70 000 N/mm², Titan ≈ 110 000 N/mm². Bei erhöhter Temperatur sinkt E.
- Querdehnungszahl ν
- Die Querdehnungszahl (Poisson-Zahl) gibt an, wie stark sich ein Werkstoff quer zusammenzieht, wenn er in Längsrichtung gedehnt wird: ε_quer = −ν·ε_längs. Sie ist wichtig, weil quer geklebte DMS genau diese Querdehnung messen und weil bei zweiachsigen Spannungszuständen beide Richtungen zusammenwirken. Woher: Werkstofftabellen; Stahl 0,28–0,30, Aluminium 0,33, Kunststoffe 0,35–0,45.