Dehnungsmessstreifen · Messtechnik

Hauptspannungen aus Hauptdehnungen: Hookesches Gesetz für den ebenen Spannungszustand

Aus den beiden Hauptdehnungen an einer freien Oberfläche die Hauptnormalspannungen, die dritte Hauptdehnung, die maximale Schubspannung und die von-Mises-Vergleichsspannung berechnen.

DMSKeil 2017
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Eingaben

Linear-elastisch, isotrop, ebener Spannungszustand; bei plastischer Verformung sind die Verfahren aus Keil Kap. 13 anzuwenden.

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Ergebnisse

Werte eingeben und Berechnung starten.

Methode

Was wird berechnet?

An einer freien Oberfläche herrscht ein ebener Spannungszustand, die Dehnungen sind aber dreiachsig. Das Hookesche Gesetz für zwei Achsen berücksichtigt die Querkontraktion: Eine gemessene Dehnung von 1000 µm/m in Stahl bedeutet nicht 210 N/mm², sondern hängt auch von der zweiten Hauptdehnung ab – bei ν = 0,3 immerhin mit 30 % Gewicht. Die Vergleichsspannung nach der Gestaltänderungsenergiehypothese ist für duktile Metalle maßgebend.

Gleichungen

σ₁ = E/(1−ν²)·(ε₁ + νε₂) (Keil Gl. 9.27)

σ₂ = E/(1−ν²)·(ε₂ + νε₁) (Gl. 9.28)

ε₃ = −ν/(1−ν)·(ε₁+ε₂) (Gl. 9.66)

σ_v = √(σ₁² − σ₁σ₂ + σ₂²) (Gestaltänderungsenergiehypothese, Keil Abschn. 14.9)

Vorgehen

Schritt für Schritt

  1. Hauptdehnungen aus der Rosettenauswertung oder aus zwei DMS in bekannten Hauptrichtungen übernehmen.
  2. E und ν des Messobjektwerkstoffs bei Messtemperatur eintragen.
  3. σ_v mit der Streckgrenze vergleichen; σ₁ für spröde Werkstoffe (Normalspannungshypothese) heranziehen.

Typischer Fehler

σ = E·ε je Richtung getrennt berechnen und so die Querkontraktion unterschlagen.

Praxis

Anwendung und Grenzen

Auswertung jeder DMS-Spannungsanalyse, Nachweis der Ausnutzung an Kerben und Übergängen, Validierung von FE-Rechnungen mit Messwerten.

Linear-elastisch, isotrop, ebener Spannungszustand; bei plastischer Verformung sind die Verfahren aus Keil Kap. 13 anzuwenden.

Quelle

Fachliche Grundlage

Keil, Dehnungsmessstreifen, 2. Aufl. 2017, Abschn. 9.4 Der zweiachsige Spannungszustand, Gl. (9.24)–(9.29); Abschn. 9.8, Gl. (9.66); Abschn. 14.9 Gestaltänderungsenergiehypothese.

Die Quelle belegt die Gleichungsstruktur und die Zahlenbeispiele; dieser Rechner ersetzt keine Kalibrierung der Messkette.

FAQ

Häufige Fragen

Wie groß ist der Fehler ohne ν?

Bei ε₂ = −νε₁ (einachsig) null; bei ε₁ = ε₂ dagegen unterschätzt σ = Eε die Spannung um den Faktor 1/(1−ν) ≈ 1,43.

Was ist ε₃?

Die Dickenänderung senkrecht zur Oberfläche; sie folgt aus σ₃ = 0 und ist für die Oberflächenanalyse nicht nötig.

Welche Hypothese für Grauguss?

Die Normalspannungshypothese: maßgebend ist σ₁ (Keil Abschn. 14.4).