Schlankheitsgrad · λ = lk/i mit dem Trägheitsradius i = √(I/A)

Schlankheitsgrad eines Druckstabs berechnen

Berechne den Schlankheitsgrad λ = lk/i eines Druckstabs aus Knicklänge lk, Flächenträgheitsmoment I und Querschnittsfläche A – mit dem Trägheitsradius i = √(I/A) als Zwischengröße. Der Schlankheitsgrad ist die einzige Kennzahl, die Länge, Lagerung und Querschnittsform eines Druckstabs in einem dimensionslosen Wert zusammenfasst.

MINTSI
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Eingaben

Das dimensionslose Verhältnis von Knicklänge zu Trägheitsradius. Große Werte (λ ≳ 100 bei Stahl) bedeuten einen schlanken Stab, der elastisch nach Euler knickt; kleine Werte einen gedrungenen Stab, bei dem der Werkstoff vorher plastifiziert und die Euler-Formel nicht mehr gilt. Vergleiche λ immer mit dem Grenzschlankheitsgrad λ₀ des Werkstoffs.

Die reduzierte Knicklänge lk = β·l aus Bauteillänge und Lagerungsbeiwert des Euler-Falls: β = 2 (eingespannt/frei), β = 1 (beidseitig gelenkig), β ≈ 0,699 (eingespannt/gelenkig), β = 0,5 (beidseitig eingespannt). Nicht die Bauteillänge l selbst eingeben.

Flächenträgheitsmoment um die Knickachse. Kann der Stab in jede Ebene ausweichen, ist das kleinste Hauptträgheitsmoment I₂ einzusetzen, weil der Stab um seine schwache Achse knickt. Woher: Profiltabelle oder der Rechner für Hauptträgheitsmomente beliebiger Querschnitte.

Die tragende Querschnittsfläche desselben Querschnitts, aus dem auch I stammt. I und A müssen zwingend zum gleichen Profil gehören, sonst ist der Trägheitsradius sinnlos.

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Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

i = √(I/A); λ = lk / i

Berechne den Schlankheitsgrad λ = lk/i eines Druckstabs aus Knicklänge lk, Flächenträgheitsmoment I und Querschnittsfläche A – mit dem Trägheitsradius i = √(I/A) als Zwischengröße. Der Schlankheitsgrad ist die einzige Kennzahl, die Länge, Lagerung und Querschnittsform eines Druckstabs in einem dimensionslosen Wert zusammenfasst.

Eingaben verstehen
  • Schlankheitsgrad λ — Das dimensionslose Verhältnis von Knicklänge zu Trägheitsradius. Große Werte (λ ≳ 100 bei Stahl) bedeuten einen schlanken Stab, der elastisch nach Euler knickt; kleine Werte einen gedrungenen Stab, bei dem der Werkstoff vorher plastifiziert und die Euler-Formel nicht mehr gilt. Vergleiche λ immer mit dem Grenzschlankheitsgrad λ₀ des Werkstoffs.
  • Knicklänge lk — Die reduzierte Knicklänge lk = β·l aus Bauteillänge und Lagerungsbeiwert des Euler-Falls: β = 2 (eingespannt/frei), β = 1 (beidseitig gelenkig), β ≈ 0,699 (eingespannt/gelenkig), β = 0,5 (beidseitig eingespannt). Nicht die Bauteillänge l selbst eingeben.
  • Kleinstes Flächenträgheitsmoment I — Flächenträgheitsmoment um die Knickachse. Kann der Stab in jede Ebene ausweichen, ist das kleinste Hauptträgheitsmoment I₂ einzusetzen, weil der Stab um seine schwache Achse knickt. Woher: Profiltabelle oder der Rechner für Hauptträgheitsmomente beliebiger Querschnitte.
  • Querschnittsfläche A — Die tragende Querschnittsfläche desselben Querschnitts, aus dem auch I stammt. I und A müssen zwingend zum gleichen Profil gehören, sonst ist der Trägheitsradius sinnlos.
Beispiel

Ein beidseitig gelenkig gelagerter Stab (β = 1) mit l = 2.000 mm, I = 100 cm⁴ und A = 20 cm² hat den Trägheitsradius i = √(10⁶ mm⁴/2.000 mm²) = 22,36 mm und damit λ = 2.000 mm/22,36 mm ≈ 89,4. Für Baustahl S235 mit λ₀ ≈ 104 liegt dieser Stab unterhalb der Grenzschlankheit – die Euler-Formel wäre hier also bereits nicht mehr zulässig.

Annahmen und Grenzen

Prismatischer Stab mit über die Länge konstantem Querschnitt; I und A müssen demselben Querschnitt entnommen sein. Der Schlankheitsgrad ist eine reine Geometriekennzahl und enthält keine Werkstoffeigenschaft – die Bewertung, ob λ groß oder klein ist, erfordert immer den werkstoffabhängigen Grenzschlankheitsgrad λ₀. Nicht enthalten sind veränderliche Querschnitte, gegliederte und mehrteilige Druckstäbe, Drillknicken sowie die bei dünnwandigen Profilen zusätzlich maßgebende Beulgefahr.

Fachartikel

Schlankheitsgrad und Trägheitsradius eines Druckstabs verstehen

Der Schlankheitsgrad λ beantwortet die Frage, ob ein Druckstab überhaupt ein Knickproblem ist. Der Rechner bestimmt λ = lk/i aus Knicklänge, Flächenträgheitsmoment und Querschnittsfläche und stellt die Beziehung nach jeder dieser Größen um.

Was beschreibt diese Größe?

Der Trägheitsradius i = √(I/A) ist ein Ersatzmaß für die Querschnittsform: Er gibt an, in welchem Abstand von der Schwerachse die gesamte Fläche A liegen müsste, um dasselbe Flächenträgheitsmoment I zu erzeugen. Der Schlankheitsgrad λ = lk/i setzt die Knicklänge dazu ins Verhältnis und ist damit dimensionslos. λ fasst Länge, Lagerung und Querschnittsform in einer Zahl zusammen und ist die Eingangsgröße aller Knickspannungslinien und Knicknachweise.

Zwei Besenstiele gleicher Länge: ein dünner und ein dicker. Beide sind gleich lang, aber der dünne ist „schlanker“ und knickt viel früher weg. Genau dieses Verhältnis von Länge zu Querschnittsausdehnung misst λ – und zwar unabhängig von der absoluten Größe, weshalb ein Modell und sein maßstäblich vergrößertes Original denselben Schlankheitsgrad haben.

Formel und Variablen

i = √(I/A); λ = lk / i

  • Trägheitsradius: i = √(I/A)
  • Schlankheitsgrad: λ = lk/i = lk·√(A/I)
  • Knicklänge: lk = β·l
  • Gültigkeitsgrenze der Euler-Formel: λ > λ₀ = π·√(E/|σP|)
Symbol / EingabeBedeutung
Schlankheitsgrad λDas dimensionslose Verhältnis von Knicklänge zu Trägheitsradius. Große Werte (λ ≳ 100 bei Stahl) bedeuten einen schlanken Stab, der elastisch nach Euler knickt; kleine Werte einen gedrungenen Stab, bei dem der Werkstoff vorher plastifiziert und die Euler-Formel nicht mehr gilt. Vergleiche λ immer mit dem Grenzschlankheitsgrad λ₀ des Werkstoffs.
Knicklänge lkDie reduzierte Knicklänge lk = β·l aus Bauteillänge und Lagerungsbeiwert des Euler-Falls: β = 2 (eingespannt/frei), β = 1 (beidseitig gelenkig), β ≈ 0,699 (eingespannt/gelenkig), β = 0,5 (beidseitig eingespannt). Nicht die Bauteillänge l selbst eingeben.
Kleinstes Flächenträgheitsmoment IFlächenträgheitsmoment um die Knickachse. Kann der Stab in jede Ebene ausweichen, ist das kleinste Hauptträgheitsmoment I₂ einzusetzen, weil der Stab um seine schwache Achse knickt. Woher: Profiltabelle oder der Rechner für Hauptträgheitsmomente beliebiger Querschnitte.
Querschnittsfläche ADie tragende Querschnittsfläche desselben Querschnitts, aus dem auch I stammt. I und A müssen zwingend zum gleichen Profil gehören, sonst ist der Trägheitsradius sinnlos.

Eingaben richtig wählen

lk ist die reduzierte Knicklänge lk = β·l mit dem Lagerungsbeiwert β des Euler-Falls, nicht die Bauteillänge. I ist das Flächenträgheitsmoment um die Knickachse; kann der Stab in jede Ebene ausweichen, ist das kleinste Hauptträgheitsmoment I₂ maßgebend. A ist die Querschnittsfläche desselben Profils. I und A müssen zwingend zum identischen Querschnitt gehören.

So benutzt du den Rechner

Querschnittswerte I und A aus der Profiltabelle oder einem Querschnittsrechner übernehmen und darauf achten, dass beide zum gleichen Profil gehören. Aus der Lagerung β bestimmen und lk = β·l bilden. Den berechneten Schlankheitsgrad anschließend mit dem Grenzschlankheitsgrad λ₀ des Werkstoffs vergleichen: Für λ > λ₀ ist der elastische Euler-Nachweis anwendbar, für λ < λ₀ muss mit einem Verfahren für den nicht-elastischen Bereich oder nach der zuständigen Vorschrift gerechnet werden. Den Grenzwert λ₀ liefert der zugehörige Rechner.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Ein beidseitig gelenkig gelagerter Stab (Euler-Fall II, β = 1) mit l = 2.000 mm, I = 100 cm⁴ = 10⁶ mm⁴ und A = 20 cm² = 2.000 mm² hat den Trägheitsradius i = √(10⁶/2.000) mm = 22,36 mm. Damit ist λ = 2.000/22,36 ≈ 89,4. Baustahl S235 hat λ₀ ≈ 104; der Stab liegt also unter der Grenzschlankheit und ist ein gedrungener Stab, für den die Euler-Formel zu hohe Lasten liefern würde. Wird derselbe Querschnitt auf l = 3.000 mm verlängert, steigt λ auf etwa 134 und der elastische Euler-Nachweis wird zulässig.

Ergebnis und Einheiten verstehen

λ wächst proportional mit der Knicklänge und umgekehrt proportional mit dem Trägheitsradius. Ein Rohr hat bei gleicher Fläche einen deutlich größeren Trägheitsradius als ein Rundstab und damit einen kleineren Schlankheitsgrad – deshalb sind Rohre die materialeffizientesten Druckstäbe. Wer λ senken will, verkürzt die Knicklänge oder verteilt die vorhandene Fläche weiter nach außen; eine reine Querschnittsvergrößerung bei gleicher Form hilft nur über die Längenabhängigkeit, nicht über λ selbst.

Intern wird in kohärenten SI-Einheiten gerechnet: lk in Meter, I in m⁴, A in m². Eingeben darf man lk in mm, cm, m oder Zoll, I in cm⁴, mm⁴ oder in⁴ und A in cm², mm² oder in². Da I und A nur als Verhältnis I/A eingehen, ist λ selbst einheitenfrei – bei Handrechnungen mit mm und mm⁴ ergibt sich i direkt in mm.

Passender nächster Rechenschritt

Die zugehörige Knicklast liefert die Euler-Knicklast, die zugehörige Spannung die Euler-Knickspannung, die Gültigkeitsgrenze der Grenzschlankheitsgrad. Das maßgebende kleinste Flächenträgheitsmoment und die Fläche bestimmst du mit den Hauptträgheitsmomenten beliebiger Querschnitte oder den Querschnittswerten.

Typische Anwendungen

Vorentscheidung, ob ein Druckstab elastisch oder plastisch knickt; Eingang in Knickspannungslinien und normative Knicknachweise; Vergleich von Profilvarianten (Rohr, Vollstab, Winkel) bei gleicher Querschnittsfläche; Festlegung von Zwischenabstützungen bei Stützen, Spindeln, Pleueln und Gerüststäben.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Gilt für prismatische Stäbe mit über die Länge konstantem Querschnitt. λ ist eine reine Geometriekennzahl und enthält keine Werkstoffeigenschaft; ohne den werkstoffabhängigen Grenzschlankheitsgrad λ₀ lässt sich daraus keine Aussage über Tragfähigkeit ableiten. Nicht abgebildet sind veränderliche und gegliederte Querschnitte, mehrteilige Druckstäbe mit nachgiebiger Verbindung, Drillknicken sowie das lokale Beulen dünnwandiger Profile, das bei sehr dünnen Rohr- und Blechquerschnitten vor dem Knicken maßgebend werden kann.

Typischer Fehler: Der klassische Fehler ist, die Bauteillänge l statt der Knicklänge lk einzusetzen. Ebenso häufig werden I und A aus verschiedenen Profilen gemischt oder das große statt des kleinen Hauptträgheitsmoments verwendet. Ein weiterer Irrtum ist, λ als Sicherheitsmaß zu lesen: ein kleiner Schlankheitsgrad bedeutet nicht „sicher“, sondern nur, dass die Euler-Formel nicht mehr gilt und ein anderes Nachweisverfahren nötig ist.

Häufige Fragen

Wofür ist „Schlankheitsgrad und Trägheitsradius eines Druckstabs“ gedacht?

Vorentscheidung, ob ein Druckstab elastisch oder plastisch knickt; Eingang in Knickspannungslinien und normative Knicknachweise; Vergleich von Profilvarianten (Rohr, Vollstab, Winkel) bei gleicher Querschnittsfläche; Festlegung von Zwischenabstützungen bei Stützen, Spindeln, Pleueln und Gerüststäben.

Woher kommen die Eingabewerte?

lk ist die reduzierte Knicklänge lk = β·l mit dem Lagerungsbeiwert β des Euler-Falls, nicht die Bauteillänge. I ist das Flächenträgheitsmoment um die Knickachse; kann der Stab in jede Ebene ausweichen, ist das kleinste Hauptträgheitsmoment I₂ maßgebend. A ist die Querschnittsfläche desselben Profils. I und A müssen zwingend zum identischen Querschnitt gehören.

Was bildet das Ergebnis nicht ab?

Gilt für prismatische Stäbe mit über die Länge konstantem Querschnitt. λ ist eine reine Geometriekennzahl und enthält keine Werkstoffeigenschaft; ohne den werkstoffabhängigen Grenzschlankheitsgrad λ₀ lässt sich daraus keine Aussage über Tragfähigkeit ableiten. Nicht abgebildet sind veränderliche und gegliederte Querschnitte, mehrteilige Druckstäbe mit nachgiebiger Verbindung, Drillknicken sowie das lokale Beulen dünnwandiger Profile, das bei sehr dünnen Rohr- und Blechquerschnitten vor dem Knicken maßgebend werden kann.

Quellen, Methodik und Review

  • Dankert/Dankert, Technische Mechanik, 7. Auflage 2013, Kapitel „Knickung“, Abschnitt „Stab-Knickung“ mit λ = lred/i und i = √(I/A)
  • Gross/Hauger/Schröder/Wall, Technische Mechanik 2 – Elastostatik, 15. Auflage 2024, Kapitel „Knickung“ (Trägheitsradius i² = I/A und Schlankheitsgrad l/i)

Die methodischen Grundsätze, Quellenhierarchie und automatisierten Prüfungen sind auf der Methodikseite dokumentiert. Methodik ansehen

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Zuletzt aktualisiert
2026-09-24