Was berechnet die Wellenvorbemessung?
Der Rechner sucht den kleinsten Durchmesser einer glatten Vollwelle, bei dem die aus Biegung und Torsion gebildete Vergleichsspannung die zulässige Spannung Re/S nicht überschreitet. Das Biegemoment erzeugt eine Normalspannung σb = 32·Mb/(π·d³), das Torsionsmoment eine Schubspannung τt = 16·Mt/(π·d³). Für einen duktilen Wellenstahl werden beide mit der Gestaltänderungsenergiehypothese zu σv = √(σb² + 3τt²) kombiniert.
So benutzt du den Rechner
Trage Biegemoment und Torsionsmoment am kritischen Querschnitt, die Streckgrenze des Wellenwerkstoffs und die gewünschte Sicherheit ein. Der Rechner ermittelt iterativ den erforderlichen Mindestdurchmesser einer glatten Vollwelle.
Schritt-für-Schritt-Beispiel
Ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor 2 halbiert die zulässige Spannung und vergrößert den erforderlichen Durchmesser gegenüber Faktor 1 deutlich.
So liest du Mindestdurchmesser und Spannungen
Der Mindestdurchmesser ist ein rechnerischer Grenzwert für den eingegebenen Lastfall. Für die Konstruktion wird auf einen verfügbaren Durchmesser aufgerundet und anschließend mit dessen realer Geometrie nachgewiesen. Die getrennt ausgegebenen Biege- und Torsionsspannungen zeigen, welcher Lastanteil dominiert; die Vergleichsspannung ist die gemeinsame Bewertungsgröße. Eine Ausnutzung von 100 % schöpft Re/S vollständig aus, enthält aber noch keine Kerb-, Dauerfestigkeits- oder Steifigkeitsbewertung.
Momente in N·m, Streckgrenze in MPa, Durchmesser in Millimeter.
Typische Anwendungen
Schnelle erste Abschätzung eines Wellendurchmessers in einer frühen Konstruktionsphase, bevor Geometriedetails wie Absätze und Nuten feststehen.
Annahmen, Grenzen und typische Fehler
Klassische Elastizitätstheorie und DIN-743-Vorbemessung; Kerben, Nuten und Ermüdung erfordern den vollständigen Nachweis.
Typischer Fehler: Diesen Wert nicht als endgültigen Fertigungsdurchmesser übernehmen – er gilt für eine glatte, kerbfreie Welle. Absätze, Nuten, Bohrungen und Wellenschultern erhöhen die örtliche Spannung deutlich und erfordern den vollständigen Festigkeitsnachweis nach DIN 743 mit Kerbwirkung, Größen- und Oberflächeneinfluss sowie getrennter Dauer- und statischer Sicherheit.
Häufige Fragen
Warum reicht diese Vorbemessung nicht als endgültiger Nachweis?
Sie behandelt nur den statischen Grenzfall einer glatten Welle. Kerbwirkung, Dauerfestigkeit, Lastwechsel und reale Wellenabsätze werden erst im vollständigen Nachweis nach DIN 743 erfasst.
Wie stark wirkt sich die Sicherheit auf den Durchmesser aus?
Da die Spannung mit der dritten Potenz des Durchmessers sinkt, führt eine höhere geforderte Sicherheit zu einem überproportional größeren erforderlichen Durchmesser.
Warum werden Biegung und Torsion nicht einfach addiert?
Beide erzeugen unterschiedliche Spannungsarten (Normal- und Schubspannung); erst eine Vergleichsspannungshypothese wie von Mises kombiniert sie korrekt zu einer einzigen Vergleichsspannung.
Welches Biege- und Torsionsmoment muss ich eingeben?
Die gleichzeitig am voraussichtlich kritischen Querschnitt wirkenden inneren Momente aus dem maßgebenden Lastfall. Maximalwerte aus verschiedenen, nie gleichzeitig auftretenden Lastfällen dürfen nicht unbesehen kombiniert werden.
Warum muss der berechnete Durchmesser aufgerundet werden?
dmin ist genau die mathematische Grenze des idealisierten Modells. Abrunden würde die zulässige Vergleichsspannung überschreiten; aufgerundet wird auf einen verfügbaren Roh- oder Fertigdurchmesser mit zusätzlicher Bearbeitungs- und Nachweisreserve.