Welle-Nabe-Verbindung

Pressverbandrechner nach DIN 7190-1

Berechne Fugendruck, elastische Grenzen sowie übertragbares Drehmoment und Axialkraft eines zylindrischen Pressverbands nach DIN 7190-1:2017. Der Rechner berücksichtigt die Geometrie von Innen- und Außenteil, die Werkstoffsteifigkeit, die Oberflächenrauheit und die Haftbeiwerte.

Diese Umsetzung deckt den rein elastischen zylindrischen Berechnungsfall ab. Das elastisch-plastische Verfahren der DIN 7190-1 ist nicht enthalten. Eine Übermaßpassung wird auch Pressverband genannt. Wird dieselbe Verbindung durch Erwärmen der Nabe oder Kühlen der Welle gefügt, spricht man vom Schrumpfverband – das beschreibt das Fügeverfahren, nicht das Verbindungsprinzip.

DIN7190-1
01

Geometrie, Werkstoffe und Reibung

DIN 7190-1:2017 · rein elastisch, zylindrisch

02

Rein elastischer Nachweis

Eingaben prüfen und Fugendruck berechnen.

Eingaben und Rechenweg

Pressverband nach DIN 7190-1 bewerten

Berechne Fugendruck, elastische Grenzen sowie übertragbares Drehmoment und Axialkraft eines zylindrischen Pressverbands nach DIN 7190-1:2017 im rein elastischen Fall.

Eingaben

Fugendurchmesser DF und Fugenlänge lF, Bohrung DiI des Innenteils und Außendurchmesser DaA des Außenteils, Übermaß U und die Rautiefen RzI und RzA, dazu E-Moduln, Querkontraktionszahlen, Streckgrenzen mit Plastizitätssicherheiten sowie die Haftbeiwerte für Umfangs- und Axialrichtung mit der Rutschsicherheit Sr.

Übermaß erzeugt erst den Fugendruck, der für Reibschluss nötig ist, erhöht aber zugleich Montagekraft und plastisches Risiko. Durchmesserverhältnis, E-Modul und Querkontraktion teilen die Verformung zwischen Welle und Nabe auf.

Zusammenhang

Die Rauheitsglättung senkt das gemessene Übermaß auf das wirksame Übermaß Uw = U − 0,4·(RzI + RzA). Daraus und aus den elastischen Nachgiebigkeiten beider Teile folgt der Fugendruck pF. Der Reibschluss auf der Mantelfläche liefert getrennt das übertragbare Drehmoment und die Axialkraft; parallel wird geprüft, ob pF unter den elastischen Druckgrenzen von Innen- und Außenteil bleibt.

Beispiel

Anhang-A-Beispiel der Norm: DF = 50 mm, lF = 40 mm, Vollwelle, DaA = 100 mm, U = 75 µm, RzI = RzA = 6 µm, beide Teile Stahl mit E = 215.000 MPa und ν = 0,3, ReI = 200 MPa, ReA = 300 MPa, Plastizitätssicherheiten 1,1. Daraus folgen Uw = 70,2 µm, K = 2,667 und pF = 113,2 MPa. Die Nabe begrenzt mit 118,1 MPa (Welle: 209,9 MPa), die Ausnutzung beträgt 0,96 – rein elastisch, aber knapp.

Quellen und Grenzen: DIN 7190-1:2017-02 behandelt zylindrische selbsthemmende Pressverbände aus metallischen Werkstoffen und enthält sowohl ein rein elastisches als auch ein elastisch-plastisches Verfahren. Diese Umsetzung deckt ausschließlich den rein elastischen Fall bei zylindrischer, gleich langer Fügefläche ab. Randspannungsspitzen, Fliehkraft, das Zusammenwirken von Axialkraft und Torsion sowie Temperatureinflüsse sind nicht enthalten.

Fachartikel

Pressverband nach DIN 7190-1 bewerten im Detail

Berechne Fugendruck, elastische Grenzen sowie übertragbares Drehmoment und Axialkraft eines zylindrischen Pressverbands nach DIN 7190-1:2017 im rein elastischen Fall.

Wie funktioniert ein Pressverband?

Vor dem Fügen ist das Innenteil geringfügig größer als die Bohrung des Außenteils; diese Durchmesserdifferenz ist das Übermaß. Beim Fügen wird das Innenteil elastisch zusammengedrückt und das Außenteil aufgeweitet. Beide Teile stehen danach dauerhaft unter Spannung und drücken mit dem Fugendruck pF gegeneinander. Dieser Normaldruck erzeugt über die Mantelfläche Reibung, und allein diese Reibung überträgt Umfangskraft und damit Drehmoment sowie Axialkraft – ohne Nut, Stift oder sonstigen Formschluss. Mehr Übermaß bedeutet mehr Fugendruck und damit mehr Tragfähigkeit, aber zugleich höhere Spannungen in beiden Teilen. Die Auslegung hat deshalb immer zwei Seiten: eine Untergrenze aus der geforderten Tragfähigkeit und eine Obergrenze aus der Werkstofffestigkeit.

Übermaßpassung, Querpressverband und Schrumpfverband

Die drei Begriffe beschreiben nicht dasselbe. Die Übermaßpassung ist das Verbindungsprinzip: eine Verbindung, die allein aus der Durchmesserdifferenz entsteht. Querpressverband und Schrumpfverband bezeichnen dagegen, wie gefügt wird.

Beim Querpressverband werden die Teile axial ineinandergepresst. Beim Schrumpfverband werden die Maße vorübergehend verändert – die Nabe wird erwärmt, die Welle gekühlt oder beides – sodass sich die Teile kräftefrei fügen lassen. Nach dem Temperaturausgleich liegt in beiden Fällen dieselbe zylindrische Übermaßverbindung vor.

Gleichwertig sind die Verfahren deshalb aber nicht: Das Fügeverfahren beeinflusst Oberflächenzustand, Rauheitsglättung, Schmierung und damit den nutzbaren Haftbeiwert. Ein eingepresster und ein aufgeschrumpfter Verband mit identischer Geometrie können unterschiedliche Tragfähigkeit haben.

Was bedeutet „rein elastisch“?

Rein elastisch heißt, dass beide Teile unterhalb des Beginns plastischer Verformung bleiben. Nur dann ist die Verformung vollständig umkehrbar und die lineare Beziehung zwischen Übermaß und Fugendruck gültig. Der Rechner prüft das, indem er den Fugendruck den elastischen Druckgrenzen von Innen- und Außenteil gegenüberstellt.

Das ist eine Grenze dieser Umsetzung, nicht der Norm: DIN 7190-1 enthält neben dem rein elastischen auch ein elastisch-plastisches Verfahren, bei dem eine begrenzte Plastifizierung der Nabe zugelassen und rechnerisch verfolgt wird. Dieses Verfahren ist hier nicht implementiert. Überschreitet die Ausnutzung 1,0, liefert der Rechner deshalb kein gültiges Ergebnis mehr, sondern einen Hinweis.

Formel und Variablen

pF = ξw · EA / K

  • Uw = U − 0,4 · (RzI + RzA)
  • ξw = (Uw / 1000) / DF
  • qi = DiI / DF · qa = DF / DaA
  • K = EA/EI · ((1 + qi²)/(1 − qi²) − νI) + (1 + qa²)/(1 − qa²) + νA
  • pzul,A = (1 − qa²) · ReA / (√3 · SpA)
  • pzul,I = (1 − qi²) · ReI / (√3 · SpI) · Vollwelle: 2 · ReI / (√3 · SpI)
  • Mt = π/2 · DF² · lF · pF · µT / Sr
  • Fax = π · DF · lF · pF · µA / Sr
Symbol / EingabeBedeutung
U, UwGemessenes Übermaß der ungefügten Teile und das nach der Rauheitsglättung verbleibende wirksame Übermaß.
DF, lFFugendurchmesser und axiale Länge der Fügefläche. lF geht in Drehmoment und Axialkraft ein, nicht in den Fugendruck.
qi, qaDurchmesserverhältnisse von Innen- und Außenteil; sie beschreiben Hohlheit der Welle und Wanddicke der Nabe.
KElastizitätsfaktor: fasst Nachgiebigkeit beider Teile aus E-Moduln, Querkontraktionszahlen und Durchmesserverhältnissen zusammen.
pFMittlerer Fugendruck an der zylindrischen Fügefläche.
pzul,I / pzul,AElastische Druckgrenzen von Innen- und Außenteil; die kleinere von beiden ist maßgebend.
µT, µAHaftbeiwerte für Umfangs- und Axialrichtung; der Rechner führt sie getrennt.
SrRutschsicherheit, durch die die theoretische Reibschluss-Tragfähigkeit geteilt wird.

Eingaben richtig wählen

Fugendurchmesser DF und Fugenlänge lF, Bohrung DiI des Innenteils und Außendurchmesser DaA des Außenteils, Übermaß U und die Rautiefen RzI und RzA, dazu E-Moduln, Querkontraktionszahlen, Streckgrenzen mit Plastizitätssicherheiten sowie die Haftbeiwerte für Umfangs- und Axialrichtung mit der Rutschsicherheit Sr. Übermaß erzeugt erst den Fugendruck, der für Reibschluss nötig ist, erhöht aber zugleich Montagekraft und plastisches Risiko. Durchmesserverhältnis, E-Modul und Querkontraktion teilen die Verformung zwischen Welle und Nabe auf.

So benutzt du den Rechner

Trage Fugendurchmesser und Fugenlänge ein, dazu die Bohrung des Innenteils (0 bei einer Vollwelle) und den Außendurchmesser des Außenteils. Ergänze das Übermaß der ungefügten Teile und beide Rautiefen, die Werkstoffkennwerte beider Teile sowie Haftbeiwerte und Sicherheiten. Der Rechner liefert wirksames Übermaß, Fugendruck, die elastischen Druckgrenzen beider Teile mit der Ausnutzung sowie übertragbares Drehmoment und Axialkraft.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Anhang-A-Beispiel der Norm: DF = 50 mm, lF = 40 mm, Vollwelle, DaA = 100 mm, U = 75 µm, RzI = RzA = 6 µm, beide Teile Stahl mit E = 215.000 MPa und ν = 0,3, ReI = 200 MPa, ReA = 300 MPa, Plastizitätssicherheiten 1,1. Daraus folgen Uw = 70,2 µm, K = 2,667 und pF = 113,2 MPa. Die Nabe begrenzt mit 118,1 MPa (Welle: 209,9 MPa), die Ausnutzung beträgt 0,96 – rein elastisch, aber knapp.

So liest du das Ergebnis

Der Fugendruck pF ist der mittlere Normaldruck an der zylindrischen Fügefläche; er ist die Größe, aus der alles Weitere folgt. Drehmoment- und Axialtragfähigkeit sind die daraus berechneten Rutschgrenzen in Umfangs- und Längsrichtung – jede für sich, nicht gemeinsam ausnutzbar. Die beiden elastischen Druckgrenzen sagen, ob das rein elastische Modell überhaupt noch gilt: Maßgebend ist die kleinere von beiden, und die Ausnutzung darf 1,0 nicht überschreiten. Nicht mit nachgewiesen sind Dauerfestigkeit der Welle, Randspannungs­ spitzen an den Fugenenden, Umlaufbiegung, Fliehkraft bei hoher Drehzahl, Form- und Lageabweichungen der Fügeflächen sowie Fressen beim Fügen. Betriebs- und Fügetemperaturen können das wirksame Übermaß verändern, besonders bei unterschiedlichen Werkstoffen; thermische Effekte sind in diesem Rechner nicht enthalten und gesondert zu prüfen. Für die Welle selbst führt der Wellennachweis nach DIN 743 den Festigkeitsnachweis.

Durchmesser und Fugenlänge in Millimeter, Übermaß und Rautiefe in Mikrometer, E-Moduln, Streckgrenzen und Fugendruck in MPa, Drehmoment in N·m, Axialkraft in N. Querkontraktionszahl, Haftbeiwerte, Sicherheiten und Ausnutzung sind dimensionslos.

Warum senkt die Rauheit das wirksame Übermaß?

Keine Fügefläche ist ideal glatt. Beim Fügen werden die Rauheitsspitzen beider Flächen teilweise eingeebnet, und dieser Anteil des geometrischen Übermaßes geht nicht in die elastische Verformung der beiden Körper über.

DIN 7190-1:2017 berücksichtigt das mit einem pauschalen Abzug von 0,4·(RzI + RzA) vom gemessenen Übermaß. Der Glättungsfaktor wurde gegenüber der Vorgängerausgabe von 0,8 auf 0,4 geändert. Der Effekt ist keineswegs klein: Zwei Flächen mit je Rz = 16 µm kosten bereits 12,8 µm Übermaß.

Maßgebend ist ausdrücklich die gemittelte Rautiefe Rz, nicht Ra. Der Faktor lässt sich nicht auf andere Rauheitskennwerte übertragen.

Was begrenzt das Übermaß nach oben und unten?

Nach unten die Tragfähigkeit: Zu wenig wirksames Übermaß bedeutet zu wenig Fugendruck, zu wenig Reibung und damit Rutschgefahr. Nach oben die Werkstofffestigkeit: Zu viel Übermaß treibt den Fugendruck über die elastische Druckgrenze von Welle oder Nabe. „Mehr Übermaß“ ist deshalb nicht automatisch besser.

Wie eng dieses Fenster ist, entscheidet die Geometrie. Die Nabenwanddicke steckt im Verhältnis qa = DF/DaA: Eine dünne Nabe ist nachgiebiger und baut bei gleichem Übermaß weniger Druck auf, während ihre elastische Grenze mit (1 − qa²) zugleich sinkt. Eine hohle Welle wirkt über qi = DiI/DF in dieselbe Richtung. Beide Effekte sind im Rechner enthalten und lassen sich durch Variieren von DaA und DiI unmittelbar ablesen.

Wie hängen ISO-286-Passungen mit DIN 7190 zusammen?

ISO 286 legt Toleranzfelder fest und bestimmt damit die möglichen Ist-Maße von Welle und Bohrung. Eine genormte Passung wie H7/s6 liefert deshalb keine einzelne Übermaßzahl, sondern eine Spanne zwischen Mindest- und Höchstübermaß.

DIN 7190 bewertet anschließend, was ein konkretes Übermaß mechanisch bedeutet: Fugendruck, Werkstoffgrenzen und übertragbare Last. Beide Enden der Spanne sind auslegungsrelevant, aber für Verschiedenes – das Mindestübermaß meist für den Reibschluss, das Höchstübermaß für die Plastizitätsgrenze.

Die Mindest- und Höchstübermaße einer Passung liefert der ISO-286-Passungsrechner; die dort ausgewiesene Übermaßspanne ist die Eingabe für diese Seite.

Welchen Haftbeiwert soll ich ansetzen?

Der Haftbeiwert geht linear in Drehmoment und Axialkraft ein und ist damit die einflussreichste Annahme der ganzen Rechnung: Von 0,10 auf 0,15 erhöht, steigt die rechnerische Tragfähigkeit bei unverändertem Fugendruck um 50 %. Genau deshalb ist er keine Werkstoffkonstante.

Er hängt von Werkstoffpaarung, Oberflächenzustand, Sauberkeit, Schmierung und Fügeverfahren ab. Die Tooltips der beiden Eingabefelder nennen Richtwerte aus DIN 7190 – etwa für eine mit Mineralöl gefügte Stahl-Stahl-Paarung oder einen normal erwärmten Schrumpfverband. Das sind Beispielwerte zur Einordnung, keine allgemeingültigen Empfehlungen für die eigene Verbindung.

Umfangs- und Axialrichtung sind getrennt eingebbar, weil die Fügefläche beim Fügen eine Vorzugsrichtung bekommen kann: Ein axial eingepresster Verband hat in Längsrichtung eine andere Vorgeschichte als in Umfangsrichtung.

Drehmoment und Axialkraft gleichzeitig

Beide Tragfähigkeiten stammen aus derselben Reibfläche und demselben Fugendruck. Sie sind getrennte Grenzfälle: die eine für reine Torsion, die andere für reine Axialbelastung. Wirken beide gleichzeitig, setzt sich die Reibkraft vektoriell aus Umfangs- und Längsanteil zusammen, und keine der beiden Einzelgrenzen ist dann noch voll verfügbar.

Ein Nachweis für kombinierte Belastung ist in diesem Rechner nicht implementiert. Die angezeigten Werte für Drehmoment und Axialkraft dürfen deshalb nicht beide zu 100 % ausgeschöpft werden; bei kombinierter Last ist der Nachweis gesondert zu führen.

Typische Anwendungen

Auslegen eines Pressverbands für ein gefordertes Drehmoment oder eine Axialkraft, Prüfen eines vorhandenen Übermaßes gegen die elastischen Grenzen von Welle und Nabe, und Einordnen, welches Übermaß eine gewählte ISO-286-Passung mechanisch bedeutet.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

DIN 7190-1:2017-02 behandelt zylindrische selbsthemmende Pressverbände aus metallischen Werkstoffen und enthält sowohl ein rein elastisches als auch ein elastisch-plastisches Verfahren. Diese Umsetzung deckt ausschließlich den rein elastischen Fall bei zylindrischer, gleich langer Fügefläche ab. Randspannungsspitzen, Fliehkraft, das Zusammenwirken von Axialkraft und Torsion sowie Temperatureinflüsse sind nicht enthalten.

Typischer Fehler: Das gemessene Übermaß nicht direkt als wirksames Übermaß verwenden – die Rauheitsglättung zieht 0,4·(RzI + RzA) ab, bei zwei Flächen mit Rz 16 µm also bereits 12,8 µm. Ebenso wenig darf man Drehmoment- und Axialtragfähigkeit gleichzeitig voll ausnutzen: Beide stammen aus derselben Reibfläche und sind getrennte Grenzfälle. Und ein rein elastisches Ergebnis knapp unter der Grenze ist kein Puffer – Fertigungsstreuung des Übermaßes wirkt direkt auf den Fugendruck.

Häufige Fragen

Was ist ein Pressverband?

Eine reibschlüssige Welle-Nabe-Verbindung, bei der das Innenteil vor dem Fügen größer ist als die Bohrung des Außenteils. Die elastische Verformung erzeugt den Fugendruck, dessen Reibung Drehmoment und Axialkraft überträgt.

Ist ein Pressverband dasselbe wie eine Übermaßpassung?

Ja, beide Begriffe meinen dieselbe Verbindungsart. „Übermaßpassung“ betont die Maßverhältnisse, „Pressverband“ die entstehende Verbindung; DIN 7190-1 spricht von zylindrischen selbsthemmenden Pressverbänden.

Was ist der Unterschied zwischen Quer- und Schrumpfverband?

Das ist ein Unterschied im Fügeverfahren, nicht im Verbindungsprinzip: Beim Querpressverband werden die Teile axial ineinandergepresst, beim Schrumpfverband wird die Nabe erwärmt oder die Welle gekühlt. Nach dem Temperaturausgleich entsteht in beiden Fällen dieselbe zylindrische Übermaßverbindung – die nutzbaren Haftbeiwerte können sich aber unterscheiden.

Warum senkt die Rauheit das wirksame Übermaß?

Beim Fügen werden die Rauheitsspitzen beider Flächen teilweise eingeebnet, sodass nicht das gesamte geometrische Übermaß in elastische Verformung übergeht. DIN 7190-1:2017 rechnet dafür pauschal 0,4·(RzI + RzA) ab; in der Vorgängerausgabe war der Glättungsfaktor 0,8.

Wie wird der Fugendruck berechnet?

Aus dem bezogenen wirksamen Übermaß und dem Elastizitätsfaktor K, der die Nachgiebigkeit beider Teile aus E-Moduln, Querkontraktionszahlen und Durchmesserverhältnissen zusammenfasst. Hohle Innenteile und unterschiedliche Werkstoffe sind darin enthalten.

Wie viel Drehmoment überträgt ein Pressverband?

Das Drehmoment folgt aus Fugendruck, Fügefläche, Hebelarm DF/2 und dem Haftbeiwert in Umfangsrichtung, geteilt durch die Rutschsicherheit. Es hängt damit unmittelbar vom angenommenen Haftbeiwert ab, der keine Werkstoffkonstante ist.

Dürfen Drehmoment und Axialkraft gleichzeitig anliegen?

Nicht in voller Höhe. Beide Werte sind getrennte Grenzfälle derselben Reibfläche; liegen sie gleichzeitig an, überlagern sich Umfangs- und Längsrichtung. Ein Nachweis für kombinierte Belastung ist in diesem Rechner nicht enthalten und muss gesondert geführt werden.

Was begrenzt das maximale Übermaß?

Die elastische Druckgrenze des schwächeren der beiden Teile. Wird sie überschritten, beginnt plastische Verformung und das rein elastische Modell gilt nicht mehr. Der Rechner weist beide Grenzen getrennt aus und meldet die Überschreitung.

Warum ist die Nabenwanddicke so wichtig?

Sie steckt im Durchmesserverhältnis qa = DF/DaA. Eine dünne Nabe ist nachgiebiger, baut also bei gleichem Übermaß weniger Fugendruck auf, und ihre elastische Druckgrenze sinkt zugleich mit (1 − qa²). Dünne Naben sind deshalb oft doppelt im Nachteil.

Darf das Innenteil hohl sein?

Ja. Die Bohrung DiI geht über qi = DiI/DF in die Rechnung ein und erhöht die Nachgiebigkeit der Welle. Für eine Vollwelle wird 0 eingetragen; der Rechner behandelt diesen Fall gesondert.

Wie hängen ISO-286-Passungen mit DIN 7190 zusammen?

ISO 286 legt die Maßgrenzen fest, eine Passung wie H7/s6 ergibt daher eine Spanne möglicher Übermaße statt eines einzelnen Werts. DIN 7190 bewertet, was ein konkretes Übermaß mechanisch bedeutet. Üblich ist, das Mindestübermaß gegen die Tragfähigkeit und das Höchstübermaß gegen die Werkstoffgrenze zu prüfen.

Was ist der Unterschied zwischen DIN 7190-1 und DIN 7190-2?

Teil 1 behandelt zylindrische selbsthemmende Pressverbände, Teil 2 kegelige. Dieser Rechner deckt ausschließlich Teil 1 ab.

Rechnet der Rechner die Schrumpftemperatur?

Nein. Fügetemperatur, erforderliches Montagespiel und Betriebstemperatur sind nicht Bestandteil dieser Berechnung. Temperaturunterschiede verändern das wirksame Übermaß besonders bei unterschiedlichen Werkstoffen und sind gesondert zu prüfen.

Wann gilt die rein elastische Rechnung nicht mehr?

Sobald der Fugendruck die elastische Druckgrenze von Innen- oder Außenteil überschreitet, also die ausgewiesene Ausnutzung über 1,0 liegt. DIN 7190-1 enthält für diesen Fall ein elastisch-plastisches Verfahren, das dieser Rechner nicht abbildet.

Quellen, Methodik und Review

  • DIN 7190-1:2017-02 behandelt zylindrische selbsthemmende Pressverbände aus metallischen Werkstoffen und enthält sowohl ein rein elastisches als auch ein elastisch-plastisches Verfahren. Diese Umsetzung deckt ausschließlich den rein elastischen Fall bei zylindrischer, gleich langer Fügefläche ab. Randspannungsspitzen, Fliehkraft, das Zusammenwirken von Axialkraft und Torsion sowie Temperatureinflüsse sind nicht enthalten.

Die methodischen Grundsätze, Quellenhierarchie und automatisierten Prüfungen sind auf der Methodikseite dokumentiert. Methodik ansehen

Verantwortlich
NormCalc-Redaktion
Zuletzt aktualisiert
2026-09-06
Reibschluss aus Übermaß

Was dieser Rechner leistet

Aus Übermaß, Fügegeometrie, Werkstoffen, Rauheit und Haftbeiwerten werden Fugendruck sowie übertragbare Axialkraft und Torsion berechnet.

Der elastische Fugendruck verbindet Übermaß, Werkstoff und Geometrie. Ob er zuverlässig entsteht, hängt zusätzlich von Rauheit, Form, Sauberkeit, Schmierung und dem Fügeprozess ab.

Typische Aufgaben
  • Rotor- und Zahnradnaben
  • Drehmomentübertragung ohne Nut
  • Thermisch gefügte Buchsen und Ringe
Planungshinweise und Anschlussnormen

Vor der Freigabe prüfen

01

Fügeprozess

Montagetemperatur oder Einpresskraft so planen, dass Oberflächen nicht fressen oder beschädigt werden.

02

Kombinierte Last

Axialkraft und Torsion teilen sich den verfügbaren Reibschluss; Einzeltragfähigkeiten nicht gleichzeitig voll ansetzen.

03

Rand und Rotation

Spannungsspitzen, schwingende Biegung und Fliehkraft können einen erweiterten Nachweis erfordern.

Sinnvolle Anschlussnormen

01

ISO 286

Fertigungstoleranzen so festlegen, dass Mindest- und Höchstübermaß zum Nachweis passen.

02

ISO 1101

Form- und Lageabweichungen der Fügeflächen begrenzen.

03

DIN 7190-2

Für kegelige, selbsthemmende Pressverbindungen statt zylindrischer Fügeflächen.