Zacher/Reuter 2024, Abschnitte 3.2 und 8.2.1: PT1-Strecke mit Totzeit

PT1-Strecke mit Totzeit: Sprungantwort

Die Totzeit verschiebt die vollständige PT1-Antwort: Zunächst reagiert der Ausgang gar nicht, danach nähert er sich exponentiell seinem Endwert.

MINTSI
01

Eingaben

Änderung der Prozessgröße gegenüber dem Wert vor dem Sprung. Vor Ablauf der Totzeit ist sie null; danach kann sie für Simulation, Soll-Ist-Vergleich oder die Abschätzung eines Reaktionszeitpunkts verwendet werden.

Bleibende Ausgangsänderung geteilt durch den Eingangssprung. Aus zwei stationären Betriebspunkten bestimmen: K=(y∞−y0)/(u1−u0). Bei unterschiedlichen physikalischen Größen vorher konsistent skalieren.

Neuer minus alter Streckeneingang zum Startzeitpunkt, etwa die Änderung einer Ventilöffnung oder Heizleistung. Nicht den neuen Absolutwert eintragen.

Zeitmaß des exponentiellen Anstiegs nach Beginn der Reaktion. Nach T sind 63,2 % der bleibenden Änderung erreicht. Aus einer Sprungmessung, einer Identifikation oder dem Prozessmodell übernehmen.

Zeit zwischen Eingangssprung und erkennbarer Ausgangsreaktion, zum Beispiel durch Transportweg, Sensorlage oder Verarbeitung. Aus den Zeitstempeln einer Sprungmessung bestimmen.

Beobachtungszeit ab der Eingangsänderung. Für t<Tt muss der Rechner null liefern; bei t=Tt beginnt der exponentielle Anstieg.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Berechnete Sprungantwort

Maus oder Finger über die Kurve bewegen, um Zeit und Ausgangswert abzulesen. Das Diagramm aktualisiert sich direkt mit den Eingaben.

y(t)K · Δu27 s
Noch kein Kurvenpunkt ausgewählt.
Rechenweg

y(t)=0 für t<Tt; y(t)=K·Δu·[1−e^(−(t−Tt)/T)] für t≥Tt

Die Totzeit verschiebt die vollständige PT1-Antwort: Zunächst reagiert der Ausgang gar nicht, danach nähert er sich exponentiell seinem Endwert.

Eingaben verstehen
  • Ausgangsänderung y(t)Änderung der Prozessgröße gegenüber dem Wert vor dem Sprung. Vor Ablauf der Totzeit ist sie null; danach kann sie für Simulation, Soll-Ist-Vergleich oder die Abschätzung eines Reaktionszeitpunkts verwendet werden.
  • Statische Streckenverstärkung KBleibende Ausgangsänderung geteilt durch den Eingangssprung. Aus zwei stationären Betriebspunkten bestimmen: K=(y∞−y0)/(u1−u0). Bei unterschiedlichen physikalischen Größen vorher konsistent skalieren.
  • Eingangssprung ΔuNeuer minus alter Streckeneingang zum Startzeitpunkt, etwa die Änderung einer Ventilöffnung oder Heizleistung. Nicht den neuen Absolutwert eintragen.
  • Zeitkonstante TZeitmaß des exponentiellen Anstiegs nach Beginn der Reaktion. Nach T sind 63,2 % der bleibenden Änderung erreicht. Aus einer Sprungmessung, einer Identifikation oder dem Prozessmodell übernehmen.
  • Totzeit TtZeit zwischen Eingangssprung und erkennbarer Ausgangsreaktion, zum Beispiel durch Transportweg, Sensorlage oder Verarbeitung. Aus den Zeitstempeln einer Sprungmessung bestimmen.
  • Zeit seit dem Sprung tBeobachtungszeit ab der Eingangsänderung. Für t<Tt muss der Rechner null liefern; bei t=Tt beginnt der exponentielle Anstieg.
Beispiel

K=2, Δu=3, T=5 s, Tt=2 s und t=7 s ergeben eine wirksame Anstiegszeit von 5 s und damit y≈3,7927. Bei t=1 s ist y=0.

Annahmen und Grenzen

Lineares zeitinvariantes PT1-Ersatzmodell mit reiner Totzeit, Ruhelage und idealem Eingangssprung. Weitere Zeitkonstanten, Rampenbildung, Begrenzungen, Störungen und Messrauschen sind nicht enthalten.

Fachartikel

PT1-Strecke mit Totzeit: Sprungantwort verstehen

Dieser Rechner verbindet zwei in realen Prozessen häufig gleichzeitig auftretende Effekte: Eine Totzeit, während der am Ausgang noch nichts sichtbar ist, und ein anschließendes Verzögerungsverhalten erster Ordnung. Er zeigt den Ausgangswert zu jedem Zeitpunkt und zeichnet die vollständige Sprungantwort.

Was beschreibt diese Größe?

Eine PT1-Strecke mit Totzeit ist ein Ersatzmodell für Prozesse, deren Reaktion erst verspätet beginnt und danach ohne Überschwingen exponentiell verläuft. PT1 bedeutet Proportionalstrecke mit einer Verzögerung erster Ordnung; Tt bezeichnet die reine Totzeit. Das Modell lautet G(s)=K·e^(−sTt)/(1+sT).

Formel und Variablen

y(t)=0 für t<Tt; y(t)=K·Δu·[1−e^(−(t−Tt)/T)] für t≥Tt

  • t<Tt: y(t)=0
  • t≥Tt: y(t)=K·Δu·[1−exp(−(t−Tt)/T)]
  • y∞=K·Δu
Symbol / EingabeBedeutung
Ausgangsänderung y(t)Änderung der Prozessgröße gegenüber dem Wert vor dem Sprung. Vor Ablauf der Totzeit ist sie null; danach kann sie für Simulation, Soll-Ist-Vergleich oder die Abschätzung eines Reaktionszeitpunkts verwendet werden.
Statische Streckenverstärkung KBleibende Ausgangsänderung geteilt durch den Eingangssprung. Aus zwei stationären Betriebspunkten bestimmen: K=(y∞−y0)/(u1−u0). Bei unterschiedlichen physikalischen Größen vorher konsistent skalieren.
Eingangssprung ΔuNeuer minus alter Streckeneingang zum Startzeitpunkt, etwa die Änderung einer Ventilöffnung oder Heizleistung. Nicht den neuen Absolutwert eintragen.
Zeitkonstante TZeitmaß des exponentiellen Anstiegs nach Beginn der Reaktion. Nach T sind 63,2 % der bleibenden Änderung erreicht. Aus einer Sprungmessung, einer Identifikation oder dem Prozessmodell übernehmen.
Totzeit TtZeit zwischen Eingangssprung und erkennbarer Ausgangsreaktion, zum Beispiel durch Transportweg, Sensorlage oder Verarbeitung. Aus den Zeitstempeln einer Sprungmessung bestimmen.
Zeit seit dem Sprung tBeobachtungszeit ab der Eingangsänderung. Für t<Tt muss der Rechner null liefern; bei t=Tt beginnt der exponentielle Anstieg.

Eingaben richtig wählen

K ist die statische Streckenverstärkung aus zwei Beharrungszuständen. Δu ist ausschließlich die Änderung des Eingangssignals. T ist die Zeit vom Reaktionsbeginn bis 63,2 % der bleibenden Änderung. Tt ist die Zeit vom Eingangssprung bis zum erkennbaren Reaktionsbeginn. t ist der auszuwertende Zeitstempel. T und Tt stammen typischerweise aus derselben aufgezeichneten Sprungmessung.

So benutzt du den Rechner

Ausgang vor dem Versuch auf null beziehen, Eingang sprunghaft und innerhalb sicherer Betriebsgrenzen ändern und Ein- sowie Ausgang mit gemeinsamer Zeitbasis aufzeichnen. K aus Endwertänderung durch Eingangssprung bestimmen, Tt am Reaktionsbeginn ablesen und T ab dort bis 63,2 % messen. Danach den gewünschten Zeitpunkt einsetzen und die Kurve mit den Messdaten vergleichen.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Bei K=2, Δu=3, T=5 s und Tt=2 s bleibt die Ausgangsänderung bis 2 s null. Bei t=7 s läuft der exponentielle Anteil seit genau einer Zeitkonstante; deshalb gilt y=6·(1−e⁻¹)=3,7927.

Ergebnis und Einheiten verstehen

y(t) ist die Änderung gegenüber dem Ausgang vor dem Sprung, nicht automatisch der absolute Sensorwert. Für den Absolutwert ist der alte Betriebspunkt zu addieren. Große Tt/T-Verhältnisse bedeuten, dass der Regler lange keine Prozessreaktion sieht; dadurch wird eine aggressive Reglereinstellung besonders riskant.

Alle Zeitgrößen müssen dieselbe Dimension besitzen; die Oberfläche rechnet Sekunden, Minuten und Stunden intern in Sekunden um. K trägt physikalisch die Einheit Ausgangseinheit je Eingangseinheit, wird hier jedoch für konsistent skalierte Signale dimensionslos eingegeben.

Passender nächster Rechenschritt

Nutze PT1-Zeitkonstante aus einer Sprungmessung, wenn keine Totzeit erkennbar ist. Die reine Totzeit-Sprungantwort erklärt den Grenzfall ohne exponentielle Verzögerung.

Typische Anwendungen

Das Modell eignet sich für Temperatur-, Durchfluss-, Konzentrations- und Transportprozesse, als Grundlage für Reglereinstellung und Simulation sowie zur Plausibilitätsprüfung einer aufgezeichneten Sprungantwort.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Das Modell setzt einen idealen Eingangssprung, konstante Parameter und genau eine dominante Zeitkonstante voraus. Ein geglätteter Stellvorgang, mehrere ähnlich große Zeitkonstanten, Überschwingen, Nichtlinearität, Sättigung oder zeitabhängige Transportgeschwindigkeit werden nicht abgebildet.

Typischer Fehler: Tt nicht von t abziehen und anschließend nochmals eine verschobene Messzeit eingeben. Ebenfalls T nicht ab dem Eingangssprung messen: Die 63,2-%-Zeit beginnt erst nach Ablauf der Totzeit.

Häufige Fragen

Wofür ist „PT1-Strecke mit Totzeit“ gedacht?

Das Modell eignet sich für Temperatur-, Durchfluss-, Konzentrations- und Transportprozesse, als Grundlage für Reglereinstellung und Simulation sowie zur Plausibilitätsprüfung einer aufgezeichneten Sprungantwort.

Woher kommen die Eingabewerte?

K ist die statische Streckenverstärkung aus zwei Beharrungszuständen. Δu ist ausschließlich die Änderung des Eingangssignals. T ist die Zeit vom Reaktionsbeginn bis 63,2 % der bleibenden Änderung. Tt ist die Zeit vom Eingangssprung bis zum erkennbaren Reaktionsbeginn. t ist der auszuwertende Zeitstempel. T und Tt stammen typischerweise aus derselben aufgezeichneten Sprungmessung.

Was bildet das Ergebnis nicht ab?

Das Modell setzt einen idealen Eingangssprung, konstante Parameter und genau eine dominante Zeitkonstante voraus. Ein geglätteter Stellvorgang, mehrere ähnlich große Zeitkonstanten, Überschwingen, Nichtlinearität, Sättigung oder zeitabhängige Transportgeschwindigkeit werden nicht abgebildet.

Quellen, Methodik und Review

Die methodischen Grundsätze, Quellenhierarchie und automatisierten Prüfungen sind auf der Methodikseite dokumentiert. Methodik ansehen

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Zuletzt aktualisiert
2026-09-20