lü = F/(b·τzul) (Vorbemessung)

Erforderliche Überlappungslänge einer Klebverbindung

Die Vorbemessung stellt nur die nominelle mittlere Spannung ein; ab einer gewissen Länge bringt zusätzliche Überlappung wegen der ungleichmäßigen Spannungsverteilung kaum noch Tragfähigkeit.

MINTSI
01

Eingaben

Überschlägige Mindestlänge der Überlappung für die eingestellte zulässige Spannung.

Längskraft, die über die Klebfuge übertragen werden soll.

Breite der Klebfuge quer zur Kraftrichtung.

Bindefestigkeit geteilt durch Sicherheit, τzul = τKB/S; Richtwerte aus dem Klebstoff-Datenblatt.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

lü = F / (b · τzul)

Die Vorbemessung stellt nur die nominelle mittlere Spannung ein; ab einer gewissen Länge bringt zusätzliche Überlappung wegen der ungleichmäßigen Spannungsverteilung kaum noch Tragfähigkeit.

Eingaben verstehen
  • Erforderliche Überlappungslänge lüÜberschlägige Mindestlänge der Überlappung für die eingestellte zulässige Spannung.
  • Zu übertragende Kraft FLängskraft, die über die Klebfuge übertragen werden soll.
  • Klebbreite bBreite der Klebfuge quer zur Kraftrichtung.
  • Zulässige nominelle Scherspannung τzulBindefestigkeit geteilt durch Sicherheit, τzul = τKB/S; Richtwerte aus dem Klebstoff-Datenblatt.
Beispiel

5.000 N bei 25 mm Klebbreite und einer zulässigen Spannung von 10 MPa ergeben eine erforderliche Überlappungslänge von lü = 5.000 N / (25 mm · 10 MPa) = 20 mm.

Annahmen und Grenzen

Reine Vorbemessung auf Basis der nominellen mittleren Spannung; die tatsächliche Randspannungsüberhöhung, Schälspannungen und Fügeteilsteifigkeit sind nicht enthalten und erfordern eine gesonderte Prüfung.

Fachartikel

Erforderliche Überlappungslänge einer Klebverbindung verstehen

Der Rechner bestimmt die überschlägig erforderliche Überlappungslänge einer Klebverbindung aus der zu übertragenden Kraft, der Klebbreite und einer zulässigen nominellen Scherspannung.

Was beschreibt diese Größe?

Aus der nominellen Scherspannung τ = F/(b·lü) einer Überlappklebung folgt durch Umstellen die für eine zulässige Spannung τzul erforderliche Überlappungslänge: lü = F/(b·τzul). Die zulässige Spannung ergibt sich üblicherweise aus der Bindefestigkeit des Klebstoffs geteilt durch einen Sicherheitsfaktor.

Das ist wie die Dimensionierung eines Trägerquerschnitts für eine zulässige Biegespannung: Man kennt die Last und die zulässige Beanspruchung und löst die Spannungsformel nach der gesuchten geometrischen Größe auf, statt umgekehrt bei gegebener Geometrie die Spannung zu prüfen.

Formel und Variablen

lü = F / (b · τzul)

  • lü = F/(b·τzul)
  • F = lü·b·τzul
  • τzul = F/(lü·b)
Symbol / EingabeBedeutung
Erforderliche Überlappungslänge lüÜberschlägige Mindestlänge der Überlappung für die eingestellte zulässige Spannung.
Zu übertragende Kraft FLängskraft, die über die Klebfuge übertragen werden soll.
Klebbreite bBreite der Klebfuge quer zur Kraftrichtung.
Zulässige nominelle Scherspannung τzulBindefestigkeit geteilt durch Sicherheit, τzul = τKB/S; Richtwerte aus dem Klebstoff-Datenblatt.

Eingaben richtig wählen

Zu übertragende Kraft F, Klebbreite b und zulässige nominelle Scherspannung τzul bestimmen die erforderliche Überlappungslänge. τzul sollte aus der Bindefestigkeit des konkret verwendeten Klebstoffs geteilt durch eine angemessene Sicherheit gewählt werden, nicht pauschal angenommen werden.

So benutzt du den Rechner

Gib die zu übertragende Kraft, die verfügbare oder gewünschte Klebbreite und die zulässige Spannung ein, um die erforderliche Überlappungslänge zu erhalten. Prüfe das Ergebnis anschließend gegen die Faustregel lü ≈ (10…20)·t (t = kleinste Bauteildicke) aus der Literatur als Plausibilitätscheck.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

5.000 N bei 25 mm Klebbreite und einer zulässigen Spannung von 10 MPa ergeben eine erforderliche Überlappungslänge von lü = 5.000 N / (25 mm · 10 MPa) = 20 mm.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Eine erforderliche Länge von 20 mm bei 25 mm Breite ergibt ein Länge-zu-Breite-Verhältnis von 0,8 – ein plausibler Wert für eine kompakte, gut ausgenutzte Überlappklebung. Deutlich längere Überlappungen als von der Faustregel lü ≈ (10…20)·t vorgeschlagen bringen wegen der ungleichmäßigen Spannungsverteilung kaum noch zusätzliche Tragfähigkeit.

Kraft wird in N angegeben, Breite und Überlappungslänge in mm, zulässige Spannung in MPa (N/mm²).

Gegenprobe mit der Dickenfaustregel

Neben der kraftbasierten Berechnung nennt die Literatur eine unabhängige Faustregel für eine gute Ausnutzung der Bindefestigkeit bei Leichtmetallen: lü ≈ (10 bis 20)·t, wobei t die kleinste Dicke der überlappten Bauteile ist. Weicht die kraftbasiert berechnete Länge stark von diesem Bereich ab – etwa weil die zulässige Spannung sehr niedrig oder die Kraft sehr hoch angesetzt ist –, lohnt sich eine zweite Betrachtung: Möglicherweise ist die gewählte Geometrie für eine reine Überlappklebung ungünstig, und eine andere Verbindungsart oder zusätzliche konstruktive Maßnahmen sind vorzuziehen.

Typische Anwendungen

Die Berechnung wird in der Vorauslegung verwendet, um für eine bekannte Last und ein verfügbares Klebstoffsystem eine erste Überlappungslänge festzulegen, bevor die endgültige Verbindung im Detail geprüft wird.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Dies ist eine reine Vorbemessung auf Basis der nominellen mittleren Spannung. Sie berücksichtigt weder die reale Spannungsüberhöhung an den Überlappungsenden noch Schälspannungen, Fügeteilsteifigkeit, Temperatur- oder Alterungseinflüsse. Bei sehr großen rechnerischen Überlappungslängen ist zu prüfen, ob stattdessen eine steifere Verbindungsart oder mehrere Klebstellen sinnvoller sind, da die reale Tragfähigkeit nicht proportional mit der Länge wächst.

Typischer Fehler: Ein häufiger Fehler ist, τzul direkt als die vom Hersteller angegebene Bindefestigkeit τKB ohne Sicherheitsabschlag zu verwenden – üblich sind Sicherheiten von 1,5 bis 2,5 gegenüber τKB. Ebenso wird die berechnete Länge manchmal unkritisch übernommen, obwohl ab einer gewissen Länge zusätzliche Fläche kaum noch zur Tragfähigkeit beiträgt.

Häufige Fragen

Woher bekomme ich die zulässige Spannung τzul?

Aus der Bindefestigkeit im Datenblatt des Klebstoffs, geteilt durch eine dem Anwendungsfall angemessene Sicherheit, üblicherweise etwa 1,5 bis 2,5.

Was mache ich, wenn die berechnete Länge sehr lang wird?

Prüfe, ob eine größere Klebbreite, ein stärkerer Klebstoff, eine steifere Verbindungsart oder mehrere Klebstellen wirtschaftlicher sind, da eine sehr lange Überlappung ihre Fläche wegen der ungleichmäßigen Spannungsverteilung nicht voll ausnutzt.

Wie verhält sich das Ergebnis zur Faustregel lü ≈ (10-20)·t?

Beide Ansätze sollten sich in derselben Größenordnung bewegen; eine starke Abweichung deutet auf eine für die gewählte Verbindungsart ungünstige Kombination aus Last, Fläche und Bauteildicke hin.

Kann ich statt der Länge auch die Breite variieren?

Ja, da AK = b·lü symmetrisch in b und lü ist, kann bei begrenztem Bauraum in einer Richtung die andere Abmessung vergrößert werden, um dieselbe Fläche zu erreichen.

Ist eine längere Überlappung immer sicherer?

Nicht proportional: Ab einer gewissen Länge trägt zusätzliche Fläche in der Mitte kaum noch zur Kraftübertragung bei, sodass die reale Sicherheit langsamer wächst als die nominelle Rechnung suggeriert.