S = τB/τ

Sicherheitsfaktor-Rechner für Klebverbindungen

S vergleicht nur die nominelle Mittelspannung mit der Bindefestigkeit; Umgebungseinflüsse, Alterung und Fertigungsstreuung sind darin nicht enthalten.

MINTSI
01

Eingaben

Für S zuerst τ als Zielgröße wählen und aus F und Aₖ berechnen. Danach S wählen: Der Rechner verwendet den τ-Wert und die Bindefestigkeit τᵦ; F und Aₖ fließen in diesem Schritt nicht erneut ein.

Verhältnis von Bindefestigkeit zu nomineller Betriebsspannung.

Aus Kraft und Klebfläche berechnete mittlere Scherspannung im Betrieb.

Betriebskraft in der Ebene der überlappenden Fügeteile, parallel zur Klebfuge. Sie erzeugt nominelle Schubspannung im Klebstoff; keine Zugkraft senkrecht zur Klebfläche.

Tatsächlich verklebte Fläche zwischen den zwei überlappenden Fügeteilen: Überlappungslänge mal Breite senkrecht zur Querschnittsskizze. Nicht die Stirnfläche eines Stoßstoßes.

Statische Bindefestigkeit (Zugscherfestigkeit) des Klebstoffs nach Datenblatt oder Prüfung.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Lastfall im Querschnitt
Einfacher Überlappstoß mit Längskräften parallel zur KlebeflächeOberes Fügeteil ragt nach rechts, unteres nach links. Dazwischen liegt eine dünne horizontale Klebschicht. Links zieht F am unteren Teil nach links, rechts zieht F am oberen Teil nach rechts. Die Überlappungslänge ist l_u; die Breite b verläuft senkrecht zur Zeichenebene.FFFügeteil 1Fügeteil 2lü = ÜberlappungKlebfugeAK = b · lü
Zwei überlappende, flache Fügeteile – kein stumpfer Stoß. Die entgegengesetzten Kräfte F wirken längs der Teile und parallel zur Klebefläche. Die Klebschicht liegt zwischen den überlappten Flächen; ihre Fläche Aₖ ergibt sich aus der gezeigten Überlappungslänge und der Bauteilbreite b senkrecht zur Zeichenebene. Der Versatz der Kraftlinien kann zusätzlich Biegung und Schälspannung erzeugen; der Rechner berücksichtigt nur die mittlere Scherspannung τ = F/Aₖ.
Rechenweg

τ = F/AKS = τB/τ

S vergleicht nur die nominelle Mittelspannung mit der Bindefestigkeit; Umgebungseinflüsse, Alterung und Fertigungsstreuung sind darin nicht enthalten.

Eingaben verstehen
  • Rechnerischer Sicherheitsfaktor S — Verhältnis von Bindefestigkeit zu nomineller Betriebsspannung.
  • Nominelle Betriebsspannung τ — Aus Kraft und Klebfläche berechnete mittlere Scherspannung im Betrieb.
  • Betriebskraft F — Betriebskraft in der Ebene der überlappenden Fügeteile, parallel zur Klebfuge. Sie erzeugt nominelle Schubspannung im Klebstoff; keine Zugkraft senkrecht zur Klebfläche.
  • Klebfugenfläche AK — Tatsächlich verklebte Fläche zwischen den zwei überlappenden Fügeteilen: Überlappungslänge mal Breite senkrecht zur Querschnittsskizze. Nicht die Stirnfläche eines Stoßstoßes.
  • Bindefestigkeit τB — Statische Bindefestigkeit (Zugscherfestigkeit) des Klebstoffs nach Datenblatt oder Prüfung.
Beispiel

5.000 N auf 1.250 mm² ergeben τ = 4 MPa; bei einer Bindefestigkeit von 20 MPa folgt S = 20/4 = 5.

Annahmen und Grenzen

S ist ein rein rechnerischer Wert auf Basis der nominellen mittleren Spannung; er deckt weder Spannungsüberhöhung an den Überlappungsenden noch Alterung, Temperatur- oder Feuchteeinfluss ab.

Fachartikel

Sicherheitsfaktor-Rechner für Klebverbindungen verstehen

Der Rechner bestimmt die nominelle Betriebsspannung einer Überlappklebung und den rechnerischen Sicherheitsfaktor gegenüber der Bindefestigkeit des verwendeten Klebstoffs.

Was beschreibt diese Größe?

Der Rechner behandelt zwei flache Fügeteile, die sich auf einer Länge überlappen und zwischen den überlappten Flächen verklebt sind (einfacher Überlappstoß, kein stumpfer Stoßstoß). An den freien Enden wirken entgegengesetzte Längskräfte F parallel zur Klebefläche. Die Klebschicht überträgt sie nominell als Schub. Eine direkte Zugkraft senkrecht zur Klebfläche ist nicht erfasst. Durch den Versatz der Kraftlinien können zusätzlich Biegung und Schälspannung entstehen; beides berechnet die Nennspannungsformel nicht. Aus F und AK folgt τ = F/AK; der Sicherheitsfaktor ist S = τB/τ.

Der Sicherheitsfaktor funktioniert wie bei jeder anderen Festigkeitsrechnung: Er gibt an, um welchen Faktor die Belastung steigen müsste, bis die nominelle Beanspruchung die nominelle Werkstoffgrenze erreicht – vergleichbar mit dem Sicherheitsfaktor eines auf Zug beanspruchten Stabes gegenüber seiner Zugfestigkeit.

Formel und Variablen

τ = F/AKS = τB/τ

  • τ = F/AK
  • S = τB/τ
  • τB = S·τ
Symbol / EingabeBedeutung
Rechnerischer Sicherheitsfaktor SVerhältnis von Bindefestigkeit zu nomineller Betriebsspannung.
Nominelle Betriebsspannung τAus Kraft und Klebfläche berechnete mittlere Scherspannung im Betrieb.
Betriebskraft FBetriebskraft in der Ebene der überlappenden Fügeteile, parallel zur Klebfuge. Sie erzeugt nominelle Schubspannung im Klebstoff; keine Zugkraft senkrecht zur Klebfläche.
Klebfugenfläche AKTatsächlich verklebte Fläche zwischen den zwei überlappenden Fügeteilen: Überlappungslänge mal Breite senkrecht zur Querschnittsskizze. Nicht die Stirnfläche eines Stoßstoßes.
Bindefestigkeit τBStatische Bindefestigkeit (Zugscherfestigkeit) des Klebstoffs nach Datenblatt oder Prüfung.

Eingaben richtig wählen

F ist die Längskraft an jedem freien Bauteilende, parallel zur Klebfuge. AK ist die tatsächlich verklebte Überlappungsfläche: Überlappungslänge mal Breite senkrecht zur gezeigten Schnittebene. Daraus folgt die nominelle Scherspannung τ; τB ist die zugehörige Zugscherfestigkeit aus Datenblatt oder Prüfung und ergibt mit τ den Sicherheitsfaktor S.

So benutzt du den Rechner

Wähle zuerst τ als Zielgröße und berechne die nominelle Scherspannung aus F und Ak. Wähle danach S als Zielgröße; der eben berechnete τ-Wert bleibt im Feld stehen und wird mit der eingegebenen Bindefestigkeit τB verglichen. Bei direkter Wahl von S sind F und Ak keine Eingaben dieser zweiten Rechnung.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

5.000 N auf 1.250 mm² ergeben τ = 4 MPa. Bei einer Bindefestigkeit von 20 MPa folgt ein rechnerischer Sicherheitsfaktor von S = 20/4 = 5.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Ein Sicherheitsfaktor von 5 bezogen auf die nominelle Mittelspannung klingt komfortabel, deckt aber ausschließlich statische, ideal gleichmäßig verteilte Last ab. Die tatsächliche Spannungsspitze an den Überlappungsenden kann real einen erheblichen Teil dieser rechnerischen Reserve aufzehren.

Kraft wird in N angegeben, Fläche in mm², Spannungen in MPa und der Sicherheitsfaktor ist dimensionslos.

Was der Sicherheitsfaktor nicht abdeckt

Der hier berechnete Sicherheitsfaktor S ist ein rein rechnerischer Vergleich zweier Mittelwerte: der nominellen Betriebsspannung und der unter Laborbedingungen ermittelten Bindefestigkeit. Er sagt nichts über die tatsächliche, örtlich stark schwankende Spannungsverteilung in der Klebfuge aus, nichts über den Einfluss von Temperatur, Feuchtigkeit oder UV-Strahlung auf die Alterung des Klebstoffs, und nichts über das Verhalten unter schwingender oder schlagartiger Last. Für sicherheitsrelevante Verbindungen sind deshalb zusätzliche, oft deutlich konservativere Nachweise sowie experimentelle Absicherung erforderlich, nicht nur ein rechnerisch komfortabler S-Wert.

Typische Anwendungen

Die Berechnung wird zur überschlägigen Bewertung bestehender oder geplanter Klebverbindungen verwendet, um festzustellen, ob eine ausreichende rechnerische Reserve gegenüber der Bindefestigkeit vorliegt, bevor eine detailliertere Nachrechnung oder Versuchsreihe angesetzt wird.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

S basiert ausschließlich auf der nominellen, gleichmäßig verteilten mittleren Spannung. Spannungsüberhöhung an den Überlappungsenden, Schälspannungen, Temperatur- und Feuchteeinfluss, Alterung des Klebstoffs sowie dynamische oder schlagartige Lasten sind darin nicht enthalten und erfordern zusätzliche, üblicherweise deutlich höhere Sicherheiten oder eine detaillierte Nachrechnung.

Typischer Fehler: Ein häufiger Fehler ist, einen rechnerisch hohen S-Wert als Beleg für eine sichere Verbindung unter allen Bedingungen zu werten, obwohl S ausschließlich die nominelle statische Spannung erfasst. Ebenso wird die Bindefestigkeit manchmal aus generischen Tabellenwerken übernommen, obwohl reale Bindefestigkeit stark von Oberflächenvorbehandlung, Aushärtebedingungen und dem konkreten Fügeteilmaterial abhängt.

Häufige Fragen

Gilt der Sicherheitsfaktor für Zug senkrecht zur Klebfläche?

Nein. F wirkt hier parallel zur Klebfläche, und S vergleicht nominelle Zugscherbeanspruchung mit Zugscherfestigkeit. Direkter Zug senkrecht zur Klebfläche ist ein anderer Lastfall.

Was bedeutet ein Sicherheitsfaktor von 5?

Die nominelle Bindefestigkeit liegt beim Fünffachen der nominellen Betriebsspannung; die Last müsste sich verfünffachen, bevor die nominelle Grenze erreicht wäre.

Deckt S auch Schälspannung ab?

Nein, S vergleicht ausschließlich nominelle Scherspannungen. Schälspannung an freien Rändern muss separat betrachtet werden.

Woher bekomme ich einen verlässlichen Wert für die Bindefestigkeit?

Aus dem aktuellen Datenblatt des konkret verwendeten Klebstoffs für die vorgesehenen Fügeteilmaterialien, idealerweise bestätigt durch eine eigene Prüfung.

Welcher Mindest-Sicherheitsfaktor wird üblicherweise gefordert?

Für statische Klebverbindungen werden in der Literatur häufig Sicherheiten von 1,5 bis 2,5 gegenüber der Bindefestigkeit genannt; sicherheitsrelevante oder dynamisch belastete Verbindungen benötigen zusätzliche, projektspezifische Nachweise.

Ändert sich S mit der Temperatur?

Ja indirekt: Die Bindefestigkeit vieler Klebstoffe sinkt bei erhöhter Temperatur, wodurch S bei gleicher Last und Fläche kleiner wird, auch wenn dieser Rechner die Temperaturabhängigkeit nicht automatisch abbildet.