Hertzsche Pressung bei Linienberührung (Zylinder-Zylinder)
Zwei sich berührende Zylinder verformen sich elastisch zu einem schmalen Druckband statt sich in einer geometrischen Linie zu berühren; die Pressung darin ist um ein Vielfaches höher als eine auf die scheinbare Kontaktfläche bezogene mittlere Pressung.
Zwei sich berührende Zylinder verformen sich elastisch zu einem schmalen Druckband statt sich in einer geometrischen Linie zu berühren; die Pressung darin ist um ein Vielfaches höher als eine auf die scheinbare Kontaktfläche bezogene mittlere Pressung.
Eingaben verstehen
Maximale Hertzsche Pressung pH — Spitzenwert der Pressung in der Mitte des Kontaktbandes.
Normalkraft FN — Senkrecht zur Kontaktfläche wirkende Anpresskraft.
Kontaktlänge L — Länge der Berührlinie zwischen den beiden Zylindern.
Durchmesser Zylinder 1 D1 — Durchmesser des ersten Zylinders.
Durchmesser Zylinder 2 D2 — Durchmesser des zweiten Zylinders.
5.000 N über 50 mm Kontaktlänge zwischen 40-mm- und 80-mm-Zylindern aus Stahl (E* ≈ 115,4 GPa) ergeben pH ≈ 525 MPa.
Annahmen und Grenzen
Klassische Hertzsche Theorie: rein elastisches Verhalten, glatte Oberflächen, Kontaktbreite klein gegenüber den Zylinderdurchmessern und keine plastische Verformung.
Fachartikel
Hertzsche Pressung bei Linienberührung (Zylinder-Zylinder) verstehen
Der Rechner bestimmt die maximale Hertzsche Pressung zwischen zwei parallelen Zylindern aus Normalkraft, Kontaktlänge, beiden Durchmessern und dem reduzierten Elastizitätsmodul.
Was beschreibt diese Größe?
Zwei parallele Zylinder berühren sich geometrisch entlang einer Linie. Unter Last verformen sich beide elastisch zu einem schmalen Druckband der halben Breite b, in dessen Mitte die maximale Pressung pH auftritt: pH = √[(FN/L)·E*/(π·R)], mit dem reduzierten Radius R aus 1/R = 2/D1 + 2/D2.
Man kann sich das wie zwei aufeinandergepresste Gummiwalzen vorstellen: Statt sich in einer unendlich dünnen Linie zu berühren, drücken sie sich zu einem sichtbaren, schmalen Streifen zusammen. Bei Stahl ist diese Verformung viel kleiner und unsichtbar, aber das Prinzip ist identisch – und die Pressung in der Mitte dieses Streifens ist um ein Vielfaches höher als eine grobe Abschätzung Kraft-durch-Fläche vermuten ließe.
Spitzenwert der Pressung in der Mitte des Kontaktbandes.
Normalkraft FN
Senkrecht zur Kontaktfläche wirkende Anpresskraft.
Kontaktlänge L
Länge der Berührlinie zwischen den beiden Zylindern.
Durchmesser Zylinder 1 D1
Durchmesser des ersten Zylinders.
Durchmesser Zylinder 2 D2
Durchmesser des zweiten Zylinders.
Reduzierter Elastizitätsmodul E*
Wirksamer Elastizitätsmodul der Werkstoffpaarung, siehe verlinkten Rechner.
Eingaben richtig wählen
Normalkraft FN, Kontaktlänge L, beide Zylinderdurchmesser D1 und D2 sowie der reduzierte Elastizitätsmodul E* (aus dem verlinkten Rechner) bestimmen die maximale Pressung.
So benutzt du den Rechner
Berechne zunächst E* mit dem Rechner für den reduzierten Elastizitätsmodul, falls noch nicht bekannt. Gib dann Kraft, Kontaktlänge und beide Durchmesser ein, um die maximale Hertzsche Pressung zu bestimmen.
Schritt-für-Schritt-Beispiel
5.000 N über 50 mm Kontaktlänge zwischen 40-mm- und 80-mm-Stahlzylindern (E* ≈ 115,4 GPa) ergeben pH ≈ 525 MPa.
Ergebnis und Einheiten verstehen
Eine Pressung von 525 MPa liegt bereits im Bereich, der bei gehärtetem Wälzlagerstahl (zulässige Dauerfestigkeit oft über 1.000 MPa) noch unkritisch ist, bei weicheren Baustählen jedoch bereits die Streckgrenze überschreiten kann. Zum Vergleich: Die scheinbare mittlere Pressung Kraft/(Kontaktlänge×Kontaktbreite) läge deutlich niedriger als dieser tatsächliche Spitzenwert.
Kraft wird in N angegeben, Längen und Durchmesser in mm, der reduzierte Elastizitätsmodul in GPa und die resultierende Pressung in MPa.
Warum sich Zylinder nicht wirklich in einer Linie berühren
Geometrisch betrachtet berühren sich zwei starre Zylinder nur in einer unendlich dünnen Linie, was eine unendlich hohe Pressung bedeuten würde. Da reale Werkstoffe elastisch nachgeben, verformen sich beide Zylinder lokal, sodass sich die Kontaktlinie zu einem schmalen, aber endlich breiten Druckband aufweitet. Innerhalb dieses Bandes ist die Pressung nicht gleichmäßig verteilt, sondern folgt einer halbelliptischen Verteilung mit dem Maximum pH in der Mitte und null an den Rändern des Bandes.
Typische Anwendungen
Die Berechnung wird zur Auslegung von Wälzlagern, Zahnradflanken (Linienberührung an den Zahnflanken), Nocken, Rollen und Kettenrädern verwendet, überall dort, wo zwei gekrümmte Oberflächen unter Last aufeinander abrollen oder gleiten.
Annahmen, Grenzen und typische Fehler
Klassische Hertzsche Theorie: rein elastisches Materialverhalten, ideal glatte Oberflächen, Kontaktbreite klein gegenüber den Zylinderdurchmessern, und keine tangentialen Reibkräfte in der Kontaktfläche. Reale Oberflächenrauheit, Schmierfilmaufbau (Elastohydrodynamik) und beginnende plastische Verformung bei sehr hohen Pressungen werden nicht abgebildet.
Typischer Fehler: Ein häufiger Fehler ist, die scheinbare mittlere Flächenpressung (Kraft durch Kontaktfläche) mit der tatsächlichen Hertzschen Spitzenpressung zu verwechseln – letztere liegt stets deutlich höher. Ebenso wird manchmal der Außendurchmesser statt des tatsächlich im Kontakt wirksamen Krümmungsdurchmessers eingesetzt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Linien- und Punktberührung?
Linienberührung entsteht beim Kontakt zweier Zylinder oder eines Zylinders mit einer Ebene; Punktberührung entsteht beim Kontakt zweier Kugeln oder einer Kugel mit einer Ebene, siehe die entsprechenden verlinkten Rechner.
Warum ist die Hertzsche Pressung viel höher als F/A?
Weil die tatsächliche Kontaktfläche unter Last extrem klein ist und die Pressung darin zudem ungleichmäßig, mit einem deutlichen Spitzenwert in der Mitte, verteilt ist – eine grobe Kraft-durch-Fläche-Rechnung mit einer angenommenen größeren Fläche unterschätzt diesen Spitzenwert erheblich.
Wann ist die Hertzsche Theorie nicht mehr gültig?
Wenn die Streckgrenze des Werkstoffs örtlich überschritten wird (plastische statt rein elastische Verformung), bei sehr rauen Oberflächen, oder wenn tangentiale Reibkräfte in der Kontaktfläche signifikant werden.
Wie verändert sich die Pressung bei zwei sehr unterschiedlichen Durchmessern?
Der reduzierte Radius wird vom kleineren Durchmesser dominiert; ein sehr viel größerer zweiter Durchmesser nähert sich dem Sonderfall Zylinder-Ebene an, siehe den entsprechenden Rechner.
Reicht diese Berechnung für eine vollständige Wälzlagerauslegung?
Nein, sie liefert nur die statische Kontaktpressung; für eine vollständige Auslegung sind zusätzlich Ermüdungsfestigkeit, Schmierung und dynamische Lastwechsel zu berücksichtigen.