Busch 2006, Abschnitt 7.4.2.1.1 Zweipulsgleichrichter B2; Restwelligkeit nach Näherung linearer Kondensatorentladung

Restwelligkeit eines Brückengleichrichters mit Ladekondensator

Zwischen den Nachladeimpulsen entlädt sich der Ladekondensator näherungsweise linear mit dem Laststrom; bei Brückengleichrichtung liegt die Entladedauer bei 1/(2f).

MINTSI
01

Eingaben

Tiefster Wert der geglätteten Gleichspannung kurz vor dem nächsten Nachladeimpuls.

Spitzenwert der gleichgerichteten Spannung nach der Brücke, näherungsweise √2 mal die Netz-Effektivspannung abzüglich der Diodenschwellenspannungen.

Mittlerer, als konstant angenommener Gleichstrom, den der Ladekondensator zwischen den Nachladeimpulsen liefert.

Frequenz der speisenden Wechselspannung vor der Brücke; die Ladeimpulse folgen bei Vollweg-/Brückengleichrichtung mit 2f.

Wirksame Kapazität des Glättungs- beziehungsweise Ladekondensators direkt hinter der Brücke.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

Umin = Upeak − Iload/(2·f·C)

Zwischen den Nachladeimpulsen entlädt sich der Ladekondensator näherungsweise linear mit dem Laststrom; bei Brückengleichrichtung liegt die Entladedauer bei 1/(2f).

Eingaben verstehen
  • Spannungsminimum UminTiefster Wert der geglätteten Gleichspannung kurz vor dem nächsten Nachladeimpuls.
  • Scheitelspannung UpeakSpitzenwert der gleichgerichteten Spannung nach der Brücke, näherungsweise √2 mal die Netz-Effektivspannung abzüglich der Diodenschwellenspannungen.
  • Laststrom IloadMittlerer, als konstant angenommener Gleichstrom, den der Ladekondensator zwischen den Nachladeimpulsen liefert.
  • Netzfrequenz fFrequenz der speisenden Wechselspannung vor der Brücke; die Ladeimpulse folgen bei Vollweg-/Brückengleichrichtung mit 2f.
  • Ladekondensator CWirksame Kapazität des Glättungs- beziehungsweise Ladekondensators direkt hinter der Brücke.
Beispiel

Upeak=325 V, Iload=0,5 A, f=50 Hz und C=1.000 µF ergeben eine Restwelligkeit Vpp=Iload/(2fC)=5 V und Umin=320 V.

Annahmen und Grenzen

Näherungsweise lineare Kondensatorentladung mit konstantem Laststrom und vernachlässigter Nachladedauer; reale Diodenschwellen, ESR des Kondensators und stark nichtlineare Lastströme fehlen.

Fachartikel

Restwelligkeit eines Brückengleichrichters mit Ladekondensator verstehen

Der Rechner schätzt ab, wie stark die geglättete Gleichspannung hinter einem Brückengleichrichter unter Last noch schwankt. Er ergänzt die reine B2-Schaltungstopologie aus der Elektronik-Grundlagenliteratur um die für die Netzteilauslegung entscheidende Restwelligkeit am Ladekondensator.

Was beschreibt diese Größe?

Nach dem Zweipuls-Brückengleichrichter (B2-Schaltung) lädt jeder der beiden Halbwellenimpulse pro Netzperiode den Ladekondensator auf annähernd die Scheitelspannung Upeak nach. Dazwischen entlädt sich der Kondensator näherungsweise linear mit dem konstant angenommenen Laststrom Iload über die Zeit 1/(2f), da bei Brückengleichrichtung zwei Nachladeimpulse je Netzperiode auftreten. Daraus folgt die Spitze-Spitze-Restwelligkeit Vpp=Iload/(2fC) und das Spannungsminimum Umin=Upeak−Vpp.

Formel und Variablen

Umin = Upeak − Iload/(2·f·C)

Symbol / EingabeBedeutung
Spannungsminimum UminTiefster Wert der geglätteten Gleichspannung kurz vor dem nächsten Nachladeimpuls.
Scheitelspannung UpeakSpitzenwert der gleichgerichteten Spannung nach der Brücke, näherungsweise √2 mal die Netz-Effektivspannung abzüglich der Diodenschwellenspannungen.
Laststrom IloadMittlerer, als konstant angenommener Gleichstrom, den der Ladekondensator zwischen den Nachladeimpulsen liefert.
Netzfrequenz fFrequenz der speisenden Wechselspannung vor der Brücke; die Ladeimpulse folgen bei Vollweg-/Brückengleichrichtung mit 2f.
Ladekondensator CWirksame Kapazität des Glättungs- beziehungsweise Ladekondensators direkt hinter der Brücke.

Eingaben richtig wählen

Upeak ist die Scheitelspannung direkt nach der Brücke, also näherungsweise √2 mal die Netz-Effektivspannung abzüglich zweier Diodenschwellenspannungen. Iload ist der mittlere Gleichstrom, den die nachgeschaltete Schaltung aus dem Kondensator zieht. f ist die Netzfrequenz vor der Brücke, C die Kapazität des Ladekondensators.

So benutzt du den Rechner

Upeak aus der bekannten Netzspannung abschätzen oder direkt messen. Iload aus der Leistungsaufnahme der versorgten Schaltung bei der erwarteten Betriebsspannung berechnen. f und C wie im Netzteil vorgesehen einsetzen; bei zu hoher Restwelligkeit C vergrößern oder eine Reglerstufe nachschalten.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Upeak=325 V, Iload=0,5 A, f=50 Hz und C=1.000 µF ergeben eine Restwelligkeit Vpp=Iload/(2fC)=5 V und ein Spannungsminimum Umin=320 V.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Eine kleine Restwelligkeit im Verhältnis zu Upeak deutet auf einen ausreichend groß dimensionierten Ladekondensator hin. Steigt Iload oder sinkt C, wächst die Welligkeit proportional; eine Verdopplung von C halbiert sie bei sonst gleichen Werten.

Upeak, Iload und C werden in den angebotenen Einheiten eingegeben und intern in kohärente SI-Werte umgerechnet; f ist eine Frequenz.

Woher Topologie und Näherung stammen

Die Brückenschaltung (B2, Zweipulsgleichrichter) ist in Busch, Elektrotechnik und Elektronik für Maschinenbauer, Abschnitt 7.4.2.1.1 beschrieben; das Kapitel verweist an dieser Stelle ausdrücklich nur auf nachgeschaltete Siebglieder, ohne die Ladekondensator-Restwelligkeit herzuleiten. Die hier verwendete lineare Näherung Vpp=Iload/(2fC) ist eine in der Elektronik-Grundlagenliteratur weit verbreitete Abschätzung für Vollweg-/Brückengleichrichter mit kapazitiver Last.

Typische Anwendungen

Erste Dimensionierung des Ladekondensators in ungeregelten oder linear geregelten Kleinnetzteilen sowie Abschätzung, ob eine nachgeschaltete Regler- oder Filterstufe die verbleibende Welligkeit noch ausreichend unterdrücken kann.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Näherung mit linearer Kondensatorentladung, konstantem Laststrom und vernachlässigter Nachladedauer der Dioden. Diodenschwellenspannungen, ESR und ESL des Kondensators, Netzspannungsschwankungen und stark pulsierende oder kapazitive Lastströme sind nicht enthalten.

Typischer Fehler: Nicht die Netz-Effektivspannung anstelle der bereits gleichgerichteten Scheitelspannung Upeak einsetzen. Bei Einweggleichrichtung gilt eine andere Entladedauer (1/f statt 1/(2f)); dieses Modell gilt nur für Zweipuls-/Brückengleichrichtung.

Häufige Fragen

Ist dies ein vollständiger Netzteil-Nachweis?

Nein. Diodenschwellenspannungen, Kondensator-ESR, Netzspannungstoleranzen und nachgeschaltete Regler- oder Filterstufen bleiben außerhalb des Modells; es liefert nur eine überschlägige Ladekondensator-Dimensionierung.

Woher stammen Formel und Gültigkeitsgrenzen?

Die B2-Brückentopologie stammt aus Busch, Abschnitt 7.4.2.1.1; die lineare Restwelligkeits-Näherung ist eine öffentlich dokumentierte Standardabschätzung für Vollweggleichrichter mit Ladekondensator.

Gilt die Formel auch für Einweggleichrichter?

Nein. Bei Einweggleichrichtung tritt nur ein Nachladeimpuls je Netzperiode auf, sodass die Entladedauer 1/f statt 1/(2f) beträgt und die Welligkeit bei sonst gleichen Werten doppelt so groß ausfällt.

Quellen, Methodik und Review

Die methodischen Grundsätze, Quellenhierarchie und automatisierten Prüfungen sind auf der Methodikseite dokumentiert. Methodik ansehen

Verantwortlich
NormCalc-Redaktion
Zuletzt aktualisiert
2026-09-16