R1 = R0·[1+α·(T1−T0)]

Temperaturabhängigkeit eines metallischen Widerstands

Reine Metalle haben einen positiven Temperaturkoeffizienten; der Widerstand steigt näherungsweise linear mit der Temperatur.

MINTSI
01

Eingaben

Widerstand nach der Temperaturänderung auf T1.

Bekannter Widerstand bei der Bezugstemperatur T0.

Temperatur, bei der R0 gemessen oder angegeben wurde.

Temperatur, bei der der Widerstand R1 gesucht ist.

Materialkonstante bezogen auf T0; Kupfer ≈ 0,00393/K, Aluminium ≈ 0,0040/K, Konstantan ≈ 0,00001/K.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

R1 = R0 · [1 + α · (T1 − T0)]

Reine Metalle haben einen positiven Temperaturkoeffizienten; der Widerstand steigt näherungsweise linear mit der Temperatur.

Eingaben verstehen
  • Widerstand bei T1 R1Widerstand nach der Temperaturänderung auf T1.
  • Widerstand bei T0 R0Bekannter Widerstand bei der Bezugstemperatur T0.
  • Bezugstemperatur T0Temperatur, bei der R0 gemessen oder angegeben wurde.
  • Zieltemperatur T1Temperatur, bei der der Widerstand R1 gesucht ist.
  • Temperaturkoeffizient αMaterialkonstante bezogen auf T0; Kupfer ≈ 0,00393/K, Aluminium ≈ 0,0040/K, Konstantan ≈ 0,00001/K.
Beispiel

100 Ω bei 20 °C mit α = 0,00393/K, erwärmt auf 80 °C: R1 = 100 Ω · [1 + 0,00393 · 60] = 123,58 Ω, also +23,6 %.

Annahmen und Grenzen

Lineare Näherung um die Bezugstemperatur T0 für reine Metalle; gilt nicht für Heißleiter (NTC) oder Kaltleiter (PTC) mit stark nichtlinearer Kennlinie.

Fachartikel

Temperaturabhängigkeit eines metallischen Widerstands verstehen

Der Rechner bestimmt, wie stark sich der Widerstand eines metallischen Leiters bei einer Temperaturänderung ändert, ausgehend von einem bekannten Widerstand bei einer Bezugstemperatur und dem linearen Temperaturkoeffizienten des Materials.

Was beschreibt diese Größe?

Für reine Metalle steigt der spezifische Widerstand näherungsweise linear mit der Temperatur. Ist der Widerstand R0 bei der Bezugstemperatur T0 bekannt, ergibt sich der Widerstand R1 bei einer anderen Temperatur T1 aus R1 = R0·[1 + α·(T1 − T0)], wobei α der Temperaturkoeffizient des Materials ist.

Man kann sich das ähnlich wie die Wärmeausdehnung eines Metallstabs vorstellen: Beide Effekte sind für kleine bis moderate Temperaturänderungen in guter Näherung linear und werden durch eine materialspezifische Konstante beschrieben – nur dass hier nicht die Länge, sondern der elektrische Widerstand betroffen ist, weil stärkere Gitterschwingungen bei höherer Temperatur die Elektronenbewegung stärker behindern.

Formel und Variablen

R1 = R0 · [1 + α · (T1 − T0)]

  • R1 = R0·[1 + α·(T1 − T0)]
  • α = (R1/R0 − 1)/(T1 − T0)
  • T1 = T0 + (R1/R0 − 1)/α
Symbol / EingabeBedeutung
Widerstand bei T1 R1Widerstand nach der Temperaturänderung auf T1.
Widerstand bei T0 R0Bekannter Widerstand bei der Bezugstemperatur T0.
Bezugstemperatur T0Temperatur, bei der R0 gemessen oder angegeben wurde.
Zieltemperatur T1Temperatur, bei der der Widerstand R1 gesucht ist.
Temperaturkoeffizient αMaterialkonstante bezogen auf T0; Kupfer ≈ 0,00393/K, Aluminium ≈ 0,0040/K, Konstantan ≈ 0,00001/K.

Eingaben richtig wählen

R0, T0, T1 und der Temperaturkoeffizient α bestimmen R1. α ist ein Materialwert, der sich auf eine bestimmte Bezugstemperatur bezieht, meist 20 °C, und für den betrachteten Temperaturbereich als konstant angenommen wird.

So benutzt du den Rechner

Wähle die gesuchte Größe. Für den Widerstand bei der Zieltemperatur gibst du R0, T0, T1 und α ein. Um umgekehrt einen gemessenen Temperaturkoeffizienten zu bestimmen, wähle α als Zielgröße und gib zwei gemessene Widerstände mit den zugehörigen Temperaturen ein.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Ein Kupferwiderstand von 100 Ω bei 20 °C mit α = 0,00393/K, erwärmt auf 80 °C: R1 = 100 Ω · [1 + 0,00393 · 60] = 123,58 Ω, also eine Zunahme von 23,58 Ω bzw. +23,6 %.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Eine Widerstandszunahme von 23,6 % bei 60 K Erwärmung zeigt, warum Wicklungswiderstände und Heizleiter aus Metall bei Betriebstemperatur einen spürbar höheren Widerstand haben als bei Raumtemperatur – ein Effekt, den etwa Widerstandsthermometer (Pt100) gezielt zur Temperaturmessung nutzen.

R0 und R1 werden in Ω angegeben, T0 und T1 in °C, und α in 1/K, äquivalent zu 1/°C für Temperaturdifferenzen.

Warum gilt dies nicht für NTC- und PTC-Widerstände?

Heißleiter (NTC) bestehen aus polykristalliner Mischoxidkeramik und zeigen eine ausgeprägte, aber stark nichtlineare exponentielle Abnahme des Widerstands mit steigender Temperatur, typischerweise 3 bis 6 % pro Kelvin. Kaltleiter (PTC) aus gesinterten Metalloxiden zeigen oberhalb einer Bezugstemperatur einen sprunghaften Widerstandsanstieg um mehrere Zehnerpotenzen. Beide Effekte sind so stark nichtlinear, dass die lineare Gleichung dieses Rechners – die für reine Metalle mit kleinem, näherungsweise konstantem α gilt – sie nicht abbilden kann; NTC- und PTC-Bauteile benötigen eigene Kennlinienmodelle aus dem jeweiligen Bauteil-Datenblatt.

Typische Anwendungen

Die Beziehung wird zur Korrektur von Kabel- und Wicklungswiderständen bei Betriebstemperatur, zur Auslegung von Widerstandsthermometern und zur Abschätzung der Wicklungserwärmung in Motoren und Transformatoren aus einer Widerstandsmessung vor und nach dem Betrieb verwendet.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Die lineare Näherung gilt für reine Metalle über moderate Temperaturbereiche gut, weicht bei sehr großen Temperaturänderungen aber zunehmend von der tatsächlichen, leicht gekrümmten Kennlinie ab. Für Heißleiter (NTC) und Kaltleiter (PTC) — Halbleiterkeramiken mit stark nichtlinearer, exponentieller beziehungsweise sprunghafter Temperatur-Widerstands-Kennlinie — gilt diese lineare Formel nicht; sie benötigen eigene, materialspezifische Kennlinienmodelle, etwa die B-Parameter-Gleichung für NTC-Widerstände.

Typischer Fehler: Ein häufiger Fehler ist, diese lineare Formel unverändert auf NTC- oder PTC-Bauteile anzuwenden, obwohl deren Widerstandsänderung um ein Vielfaches stärker und nichtlinear ist. Ebenso wird manchmal übersehen, dass α selbst leicht temperaturabhängig ist, sodass die lineare Näherung bei sehr großen Temperaturhüben deutlich über 100 K ungenauer wird.

Häufige Fragen

Warum haben reine Metalle einen positiven Temperaturkoeffizienten?

Weil stärkere Gitterschwingungen bei höherer Temperatur die freie Bewegung der Leitungselektronen stärker behindern, wodurch der Widerstand steigt.

Was ist der Unterschied zu NTC- und PTC-Widerständen?

NTC- und PTC-Widerstände bestehen aus Halbleiterkeramik mit einer stark nichtlinearen, exponentiellen beziehungsweise sprunghaften Kennlinie und benötigen eigene Modelle; die hier verwendete lineare Formel gilt nur für reine Metalle.

Welche α-Werte sind typisch?

Kupfer liegt bei rund 0,00393/K, Aluminium bei rund 0,0040/K, während spezielle Kupfer-Mangan-Legierungen wie Konstantan oder Manganin mit rund 0,00001/K einen sehr kleinen Temperaturkoeffizienten haben und deshalb für Präzisionswiderstände verwendet werden.

Warum ist die Bezugstemperatur T0 wichtig?

Weil α selbst auf eine bestimmte Bezugstemperatur bezogen ist; wird R0 bei einer anderen Temperatur als der im Datenblatt angegebenen Bezugstemperatur gemessen, weicht das Ergebnis geringfügig ab.

Kann ich diese Formel für Aluminium oder andere Metalle verwenden?

Ja, sofern ein passender Temperaturkoeffizient α für das jeweilige Metall verwendet wird; die Formel selbst ist materialunabhängig, nur der Zahlenwert von α ändert sich.