δ = 1 − cos(180°/z)

Vieleckwirkung und Geschwindigkeitsschwankung einer Kette

Die Kette läuft nicht auf einem echten Kreis, sondern auf einem Vieleck mit z Ecken; dadurch schwankt die Momentangeschwindigkeit periodisch um den in anderen Rechnern verwendeten Mittelwert.

MINTSI
01

Eingaben

Relative Geschwindigkeitsschwankung zwischen größter und kleinster Momentangeschwindigkeit je Teilung.

Zähnezahl des betrachteten, meist kleineren Kettenrads.

Drehzahl des betrachteten Kettenrads.

Abstand zwischen zwei benachbarten Bolzenmitten der Rollenkette.

Kettengeschwindigkeit im Moment des größten wirksamen Radius.

Kettengeschwindigkeit im Moment des kleinsten wirksamen Radius, am Teilungswechsel.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

vmax = ωr; vmin = vmax·cos(180°/z); δ = (vmax−vmin)/vmax

Die Kette läuft nicht auf einem echten Kreis, sondern auf einem Vieleck mit z Ecken; dadurch schwankt die Momentangeschwindigkeit periodisch um den in anderen Rechnern verwendeten Mittelwert.

Eingaben verstehen
  • Ungleichförmigkeitsgrad δRelative Geschwindigkeitsschwankung zwischen größter und kleinster Momentangeschwindigkeit je Teilung.
  • Zähnezahl zZähnezahl des betrachteten, meist kleineren Kettenrads.
  • Drehzahl nDrehzahl des betrachteten Kettenrads.
  • Kettenteilung pAbstand zwischen zwei benachbarten Bolzenmitten der Rollenkette.
  • Maximale Momentangeschwindigkeit vmaxKettengeschwindigkeit im Moment des größten wirksamen Radius.
  • Minimale Momentangeschwindigkeit vminKettengeschwindigkeit im Moment des kleinsten wirksamen Radius, am Teilungswechsel.
Beispiel

17 Zähne bei 1.000 min⁻¹ und 19,05 mm Teilung ergeben vmax ≈ 5,428 m/s, vmin ≈ 5,336 m/s und δ ≈ 1,7 %.

Annahmen und Grenzen

Ideal steife Kettenglieder und konstante Antriebsdrehzahl; Kettendehnung, Lagerspiel und die Rückwirkung der Vieleckwirkung auf das Abtriebsrad werden nicht mitgerechnet.

Fachartikel

Vieleckwirkung und Geschwindigkeitsschwankung einer Kette verstehen

Der Rechner bestimmt die durch die Vieleckwirkung (Chordal Action) des Kettenrads verursachte Schwankung der momentanen Kettengeschwindigkeit aus Zähnezahl, Drehzahl und Teilung.

Was beschreibt diese Größe?

Eine Kette läuft nicht auf einem echten Kreis, sondern folgt einem z-eckigen Vieleck, dessen Eckpunkte die Kettenradzähne bilden. Bei konstanter Drehzahl schwankt die Momentangeschwindigkeit der Kette deshalb periodisch zwischen einem Maximum vmax = ω·r, wenn ein Kettenbolzen den größten Abstand zur Drehachse hat, und einem Minimum vmin = vmax·cos(180°/z) am Übergang zwischen zwei Teilungen, wobei r der Teilkreisradius ist.

Man kann sich das wie das Rollen eines Sechsecks statt eines Kreises vorstellen: Ein Punkt auf der Kante des Sechsecks bewegt sich bei konstanter Drehung nicht gleichförmig, sondern beschleunigt und verzögert leicht innerhalb jeder Kante. Je mehr Ecken das Vieleck hat, desto mehr nähert es sich einem echten Kreis an und desto kleiner wird diese Schwankung.

Formel und Variablen

vmax = ωr; vmin = vmax·cos(180°/z); δ = (vmax−vmin)/vmax

  • vmax = [p/(2·sin(180°/z))]·ω
  • vmin = vmax·cos(180°/z)
  • δ = 1 − cos(180°/z)
Symbol / EingabeBedeutung
Ungleichförmigkeitsgrad δRelative Geschwindigkeitsschwankung zwischen größter und kleinster Momentangeschwindigkeit je Teilung.
Zähnezahl zZähnezahl des betrachteten, meist kleineren Kettenrads.
Drehzahl nDrehzahl des betrachteten Kettenrads.
Kettenteilung pAbstand zwischen zwei benachbarten Bolzenmitten der Rollenkette.
Maximale Momentangeschwindigkeit vmaxKettengeschwindigkeit im Moment des größten wirksamen Radius.
Minimale Momentangeschwindigkeit vminKettengeschwindigkeit im Moment des kleinsten wirksamen Radius, am Teilungswechsel.

Eingaben richtig wählen

Zähnezahl z bestimmt zusammen mit Kettenteilung p und Drehzahl n die absoluten Geschwindigkeiten vmax und vmin; der Ungleichförmigkeitsgrad δ hängt dagegen ausschließlich von der Zähnezahl z ab.

So benutzt du den Rechner

Wähle δ als Zielgröße, um für eine gegebene Zähnezahl die relative Geschwindigkeitsschwankung zu ermitteln, oder z als Zielgröße, um die Mindestzähnezahl für eine zulässige Schwankung zu bestimmen. Für absolute Geschwindigkeiten gib zusätzlich Teilung und Drehzahl ein.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Bei 17 Zähnen, 19,05 mm Teilung und 1.000 min⁻¹ ergeben sich vmax ≈ 5,428 m/s und vmin ≈ 5,336 m/s, also ein Ungleichförmigkeitsgrad von δ ≈ 1,7 %.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Ein δ von 1,7 % bei 17 Zähnen gilt als unkritisch; bei nur 9 Zähnen steigt δ dagegen bereits auf rund 6 % und kann spürbare Schwingungen und Geräusche verursachen. Deshalb werden für das kleinere Kettenrad in der Praxis möglichst mindestens 17 Zähne empfohlen.

Zähnezahl ist dimensionslos, Drehzahl wird in min⁻¹ angegeben, Kettenteilung in mm, Geschwindigkeiten in m/s und der Ungleichförmigkeitsgrad δ dimensionslos beziehungsweise in Prozent.

Warum mindestens 17 Zähne empfohlen werden

Mit sinkender Zähnezahl wächst der Winkel 180°/z, den jedes Kettenglied beim Auf- und Ablaufen durchläuft, und damit sowohl die Geschwindigkeitsschwankung δ als auch der relative Winkelweg in den Gelenken. Bei z = 9 beträgt δ bereits rund 6 %, bei z = 17 nur noch etwa 1,7 % und bei z = 20 rund 1,2 %. Da eine größere Schwankung mit stärkeren Schwingungen, höherer Geräuschentwicklung und beschleunigtem Gelenkverschleiß einhergeht, wird für das kleinere, meist antreibende Kettenrad in der Praxis eine Mindestzähnezahl von 17 empfohlen, wo immer die Bauraumsituation dies zulässt.

Typische Anwendungen

Die Berechnung wird zur Beurteilung der Laufruhe eines Kettentriebs, zur Auswahl einer ausreichenden Mindestzähnezahl für das kleinere Kettenrad und zur Abschätzung möglicher Schwingungsanregung bei niedrigen Zähnezahlen oder hohen Drehzahlen verwendet.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Das Modell betrachtet nur die kinematische Geometrie eines einzelnen, ideal steifen Kettenrads bei konstanter Antriebsdrehzahl. Elastische Kettendehnung, Lagerspiel, die Rückwirkung auf ein zweites Kettenrad mit anderer Zähnezahl und dynamische Resonanzeffekte werden nicht erfasst.

Typischer Fehler: Ein häufiger Fehler ist, δ mit dem Schlupf oder Wirkungsgradverlust eines Kettentriebs zu verwechseln – die Vieleckwirkung ist ein rein kinematischer, geometrischer Effekt ohne Kraftschluss- oder Verschleißverlust im eigentlichen Sinn, auch wenn sie langfristig zu höherem Verschleiß beitragen kann. Ebenso wird manchmal übersehen, dass δ unabhängig von Drehzahl und Teilung ist und ausschließlich von der Zähnezahl abhängt.

Häufige Fragen

Was ist die Vieleckwirkung?

Die Kette folgt beim Auf- und Ablaufen am Kettenrad nicht einer echten Kreisbahn, sondern einem z-eckigen Vieleck, wodurch die Momentangeschwindigkeit der Kette bei konstanter Drehzahl periodisch schwankt.

Warum hängt δ nur von der Zähnezahl ab, nicht von der Drehzahl?

Weil δ als Verhältnis (vmax−vmin)/vmax definiert ist und der Drehzahl-Faktor ω sowohl in vmax als auch in vmin gleichermaßen enthalten ist und sich beim Bilden des Verhältnisses heraushebt.

Wie wirkt sich die Vieleckwirkung auf Geräusch und Verschleiß aus?

Eine größere Schwankung δ bedeutet stärkere periodische Beschleunigungen der Kettenmasse, was Schwingungen anregen, Geräusche erzeugen und den Gelenkverschleiß über die Betriebsdauer beschleunigen kann.

Wie viele Zähne sollte das kleinere Kettenrad mindestens haben?

In der Praxis werden mindestens 17 Zähne empfohlen, da δ dort bereits auf ein unkritisches Niveau von etwa 1,7 % gefallen ist.

Ist die Vieleckwirkung dasselbe wie Kettenschlupf?

Nein. Sie ist ein rein geometrisch-kinematischer Effekt der formschlüssigen Zahneingriffe und kein Kraftschlussverlust wie der Schlupf bei Reibradgetrieben oder Flachriemen.