DIN EN 1993-1-8 (Richtwert)

Empfohlene Kehlnahtdicke aus Blechdicken

Zu dünne Nähte erkalten zu schnell und binden schlecht an; zu dicke Nähte verziehen dünne Bleche unnötig.

MINTSI
01

Eingaben

Untergrenze zur Vermeidung eines Missverhältnisses von Naht- und Bauteilquerschnitt.

Zweckmäßige Obergrenze; in DIN EN 1993-1-8 nicht normativ festgelegt.

Dicke des dickeren der beiden verschweißten Bauteile.

Dicke des dünneren der beiden verschweißten Bauteile.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

amin = √tmax − 0,5; amax = 0,7 · tmin

Zu dünne Nähte erkalten zu schnell und binden schlecht an; zu dicke Nähte verziehen dünne Bleche unnötig.

Eingaben verstehen
  • Empfohlene Mindestdicke aminUntergrenze zur Vermeidung eines Missverhältnisses von Naht- und Bauteilquerschnitt.
  • Empfohlene Höchstdicke amaxZweckmäßige Obergrenze; in DIN EN 1993-1-8 nicht normativ festgelegt.
  • Größte Blechdicke tmaxDicke des dickeren der beiden verschweißten Bauteile.
  • Kleinste Blechdicke tminDicke des dünneren der beiden verschweißten Bauteile.
Beispiel

tmax = 16 mm ergibt amin ≈ 3,5 mm; tmin = 10 mm ergibt amax = 7 mm.

Annahmen und Grenzen

Erfahrungsrichtwerte für Flacherzeugnisse und offene Profile mit t ≥ 3 mm; die wirksame Nahtdicke sollte in jedem Fall mindestens 3 mm betragen.

Fachartikel

Empfohlene Kehlnahtdicke aus Blechdicken verstehen

Der Rechner schätzt die empfohlene untere und obere Grenze der Kehlnahtdicke aus der größten und kleinsten beteiligten Blechdicke ab.

Was beschreibt diese Größe?

Die Untergrenze amin = √tmax − 0,5 vermeidet ein Missverhältnis zwischen Nahtquerschnitt und den verbundenen Bauteilquerschnitten (zu dünne Nähte kühlen zu schnell ab und binden schlecht an). Die Obergrenze amax = 0,7·tmin ist eine zweckmäßige Praxisgrenze, die verhindert, dass eine überdimensionierte Naht das dünnere Blech unnötig thermisch verzieht.

Man kann sich das wie die passende Nagelgröße für zwei unterschiedlich dicke Bretter vorstellen: Ein zu dünner Nagel hält nicht ausreichend, ein zu dicker spaltet das dünnere Brett. Die beiden Formeln geben den vernünftigen Bereich dazwischen an.

Formel und Variablen

amin = √tmax − 0,5; amax = 0,7 · tmin

  • amin = √tmax − 0,5 (mm)
  • amax = 0,7 · tmin (mm)
  • tmax = (amin + 0,5)²
  • tmin = amax / 0,7
Symbol / EingabeBedeutung
Empfohlene Mindestdicke aminUntergrenze zur Vermeidung eines Missverhältnisses von Naht- und Bauteilquerschnitt.
Empfohlene Höchstdicke amaxZweckmäßige Obergrenze; in DIN EN 1993-1-8 nicht normativ festgelegt.
Größte Blechdicke tmaxDicke des dickeren der beiden verschweißten Bauteile.
Kleinste Blechdicke tminDicke des dünneren der beiden verschweißten Bauteile.

Eingaben richtig wählen

tmax ist die Dicke des dickeren, tmin die Dicke des dünneren der beiden verschweißten Bauteile. Beide Formeln sind ausschließlich für Werte in Millimetern definiert.

So benutzt du den Rechner

Trage tmax ein, um amin zu erhalten, und tmin, um amax zu erhalten. Die tatsächlich gewählte Nahtdicke sollte zwischen amin und amax liegen und zusätzlich mindestens 3 mm betragen.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

tmax = 16 mm ergibt amin = √16 − 0,5 = 3,5 mm; tmin = 10 mm ergibt amax = 0,7 · 10 = 7 mm.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Eine gewählte Nahtdicke zwischen 3,5 mm und 7 mm gilt für dieses Blechdickenpaar als konstruktiv sinnvoll. Werte außerhalb dieses Bereichs sind nicht automatisch unzulässig, sollten aber begründet werden.

Beide Formeln sind ausdrücklich in Millimetern definiert (√tmax ist keine dimensionsreine Operation); die Ergebnisse amin und amax werden ebenfalls in mm angegeben.

Warum die Formel nur für Millimeter gilt

amin = √tmax − 0,5 ist keine dimensionshomogene physikalische Gleichung, sondern eine empirische Faustformel, die ausschließlich für tmax in Millimetern kalibriert wurde. Setzt man tmax in einer anderen Einheit ein (z. B. in Zoll oder Metern), ergibt sich ein falscher Zahlenwert, weil die Wurzelfunktion und die additive Konstante 0,5 nicht mitskalieren. Dieser Rechner rechnet daher intern immer in Millimetern, unabhängig von der am Eingabefeld gewählten Anzeigeeinheit.

Typische Anwendungen

Die Faustformeln werden in der Vorentwurfsphase genutzt, um für ein gegebenes Blechdickenpaar schnell eine sinnvolle Nahtdicke vorzuschlagen, bevor eine detaillierte Festigkeitsberechnung erfolgt.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Die Formeln gelten für Flacherzeugnisse und offene Profile mit t ≥ 3 mm; die Obergrenze amax ist in DIN EN 1993-1-8 selbst nicht normativ festgelegt, sondern ein verbreiteter Praxisrichtwert. Bei Blechdicken ab 30 mm genügt nach der Norm bereits amin ≥ 5 mm.

Typischer Fehler: Ein häufiger Fehler ist, amin oder amax als zwingende Normwerte statt als Richtwerte zu behandeln, oder die wirksame Mindestnahtdicke von 3 mm zu unterschreiten, selbst wenn die Formel rechnerisch einen kleineren Wert ergibt.

Häufige Fragen

Ist amin ein bauaufsichtlich bindender Wert?

Er ist eine Konstruktionsregel zur Vermeidung eines Missverhältnisses von Naht- und Bauteilquerschnitt, keine Festigkeitsanforderung; die eigentliche Tragfähigkeit ist gesondert nachzuweisen.

Warum ist die Obergrenze amax nicht normativ festgelegt?

DIN EN 1993-1-8 nennt hierfür keinen verbindlichen Wert; 0,7·tmin hat sich als praxisbewährte Faustregel etabliert, um übermäßigen Verzug zu vermeiden.

Was gilt bei sehr dicken Blechen (t ≥ 30 mm)?

Dort genügt nach der Norm bereits eine Mindestnahtdicke von 5 mm, unabhängig vom Ergebnis der √tmax-Formel.

Darf die Nahtdicke kleiner als 3 mm sein?

Nein, die wirksame Nahtdicke einer Kehlnaht sollte grundsätzlich mindestens 3 mm betragen, auch wenn amin rechnerisch kleiner ausfällt.

Ersetzt dieser Rechner die Festigkeitsberechnung?

Nein, er liefert nur einen konstruktiven Vorschlag für die Nahtdicke; die tatsächliche Tragfähigkeit ist mit dem Kehlnaht-Schubspannungsrechner und dem Sicherheitsfaktor-Rechner nachzuweisen.