F1/F2 = e^(μθ)

Riemenzugkraft-Rechner nach der Capstan-Gleichung

Das Zugkraftverhältnis F1/F2 wächst exponentiell mit Reibwert und Umschlingungswinkel (Eytelwein-Gleichung). Berechne Zugtrumkraft, Losstrumkraft, Reibwert oder Umschlingungswinkel.

MINTSI
01

Eingaben

Die maximale Zugtrumkraft, bei der der Riemen auf der Scheibe gerade noch nicht durchrutscht (Grenzfall der Eytelwein-Gleichung). Als Ergebnis folgt sie aus F2·e^(μθ).

Die Losstrumkraft – die Kraft im entspannten Riementrum, erzeugt durch die Vorspannung des Riementriebs (z. B. Spannrolle oder verstellbarer Achsabstand).

Der Gleitreibwert zwischen Riemen und Scheibenoberfläche. Woher: Datenblatt des Riemenherstellers; Richtwert Flachriemen auf Metall etwa 0,3, Keilriemen effektiv höher durch die Keilwirkung.

Der Umschlingungswinkel – der Winkel, über den der Riemen die betrachtete Scheibe berührt. Woher: aus Scheibendurchmessern und Achsabstand berechnen (siehe Umschlingungswinkel-Rechner) oder aus der Zeichnung.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Zugtrumkraft F₁ über dem Umschlingungswinkel θ

Nach der Seilreibungsformel (Eytelwein) wächst F₁ exponentiell mit μ·θ: Jede zusätzliche Umschlingung vervielfacht die übertragbare Kraft. Bei θ = 0 gilt F₁ = F₂ (gestrichelt). Die Markierung zeigt den eingegebenen Umschlingungswinkel.

1002003000200400600F₂EingabeZugtrumkraft F₁ [N]Umschlingungswinkel θ [°]
Noch kein Kurvenpunkt ausgewählt.
Kräfte am Riementrieb
Offener Riementrieb: Die linke Antriebsscheibe zieht das untere Zugtrum mit der größeren Kraft F1; das obere Losstrum läuft mit der kleineren Kraft F2 zur Abtriebsscheibe.
Zugtrum und Losstrum richtig zuordnen. Die englischen Bezeichnungen im Bild bedeuten: „Driving pulley“ = Antriebsscheibe (links, mit Antriebsmoment), „Driven pulley“ = Abtriebsscheibe, „Tight side“ = Zugtrum, „Slack side“ = Losstrum. Die Antriebsscheibe dreht im Uhrzeigersinn und zieht den Riemen auf der Unterseite zu sich heran – dieses Trum ist der belastete Zugtrum mit der größeren Kraft F₁. Oben läuft der Riemen von der Antriebsscheibe weg; dort bleibt nur die Vorspannung übrig, das ist der Losstrum mit der kleineren Kraft F₂. Kehrt sich die Drehrichtung um, tauschen die Trume. Die Eytelwein-Gleichung beschreibt das größtmögliche Verhältnis F₁/F₂ unmittelbar vor dem Durchrutschen; Reibwert und Umschlingungswinkel beziehen sich auf die betrachtete Scheibe – bei ungleichen Scheiben ist die kleinere mit dem kleineren Umschlingungswinkel maßgebend.
Rechenweg

F1 = F2 · e^(μ·θ)

Das Zugkraftverhältnis F1/F2 wächst exponentiell mit Reibwert und Umschlingungswinkel (Eytelwein-Gleichung). Berechne Zugtrumkraft, Losstrumkraft, Reibwert oder Umschlingungswinkel.

Eingaben verstehen
  • Zugtrumkraft F1 — Die maximale Zugtrumkraft, bei der der Riemen auf der Scheibe gerade noch nicht durchrutscht (Grenzfall der Eytelwein-Gleichung). Als Ergebnis folgt sie aus F2·e^(μθ).
  • Losstrumkraft F2 — Die Losstrumkraft – die Kraft im entspannten Riementrum, erzeugt durch die Vorspannung des Riementriebs (z. B. Spannrolle oder verstellbarer Achsabstand).
  • Reibwert μ — Der Gleitreibwert zwischen Riemen und Scheibenoberfläche. Woher: Datenblatt des Riemenherstellers; Richtwert Flachriemen auf Metall etwa 0,3, Keilriemen effektiv höher durch die Keilwirkung.
  • Umschlingungswinkel θ — Der Umschlingungswinkel – der Winkel, über den der Riemen die betrachtete Scheibe berührt. Woher: aus Scheibendurchmessern und Achsabstand berechnen (siehe Umschlingungswinkel-Rechner) oder aus der Zeichnung.
Beispiel

μ = 0,3 und θ = 180° (π rad) ergeben bei F2 = 100 N eine maximale Zugtrumkraft von rund 256,7 N.

Annahmen und Grenzen

Kurz vor dem Durchrutschen (Grenzfall); Fliehkrafteinfluss und Riemensteifigkeit fehlen.

Fachartikel

Riemenzugkraft-Rechner nach der Capstan-Gleichung verstehen

Der Rechner bestimmt aus zwei bekannten Größen unter Zugtrumkraft F1, Losstrumkraft F2, Reibwert μ und Umschlingungswinkel θ die jeweils fehlende Größe, nach der Capstan- beziehungsweise Euler-Eytelwein-Gleichung. Er beantwortet die zentrale Frage jeder Riemenauslegung: Wie viel mehr Zugkraft kann die gespannte Seite eines Riemens gegenüber der entspannten Seite aufnehmen, bevor der Riemen durchrutscht?

Was beschreibt diese Größe?

Kurz vor dem Durchrutschen verhält sich das Verhältnis von Zugtrum- zu Losstrumkraft exponentiell zu Reibwert und Umschlingungswinkel: F1 = F2·e^(μθ), mit θ im Bogenmaß. Diese als Eytelweinsche Beziehung (englisch capstan equation) bekannte Gleichung gilt allgemein für ein über einen Zylinder oder eine Scheibe gleitendes Seil oder einen Riemen. In der Riemenauslegung wird sie mit dem Umschlingungswinkel der kleinen Scheibe ausgewertet; das Verhältnis m = F1/F2 heißt Trumkraftverhältnis.

Ein Segler kann ein schweres Segel mit geringer Handkraft kontrollieren, indem er die Leine mehrfach um eine Poller-Klampe (Cleat) wickelt: Jede zusätzliche Umschlingung erhöht den Winkel θ und damit exponentiell die Kraft, die die haltende Hand gegenüber der Segellast aufnehmen kann. Genau dieselbe Capstan-Gleichung bestimmt bei einem Riementrieb, wie viel Zugkraftdifferenz zwischen den beiden Riementrumen möglich ist, bevor der Riemen auf der Scheibe durchrutscht.

Formel und Variablen

F1 = F2 · e^(μ·θ)

  • F1 = F2 · e^(μθ)
  • F2 = F1 · e^(−μθ)
  • μ = ln(F1/F2) / θ
  • θ = ln(F1/F2) / μ
Symbol / EingabeBedeutung
Zugtrumkraft F1Die maximale Zugtrumkraft, bei der der Riemen auf der Scheibe gerade noch nicht durchrutscht (Grenzfall der Eytelwein-Gleichung). Als Ergebnis folgt sie aus F2·e^(μθ).
Losstrumkraft F2Die Losstrumkraft – die Kraft im entspannten Riementrum, erzeugt durch die Vorspannung des Riementriebs (z. B. Spannrolle oder verstellbarer Achsabstand).
Reibwert μDer Gleitreibwert zwischen Riemen und Scheibenoberfläche. Woher: Datenblatt des Riemenherstellers; Richtwert Flachriemen auf Metall etwa 0,3, Keilriemen effektiv höher durch die Keilwirkung.
Umschlingungswinkel θDer Umschlingungswinkel – der Winkel, über den der Riemen die betrachtete Scheibe berührt. Woher: aus Scheibendurchmessern und Achsabstand berechnen (siehe Umschlingungswinkel-Rechner) oder aus der Zeichnung.

Eingaben richtig wählen

Gib zwei der vier Größen ein. Verwende für θ den Umschlingungswinkel an der Scheibe, an der zuerst ein Durchrutschen zu erwarten ist – meist die kleinere Scheibe eines Riementriebs.

So benutzt du den Rechner

Wähle die gesuchte Zielgröße und trage die übrigen bekannten Werte mit Einheit ein. Das Ergebnis beschreibt den Grenzfall kurz vor dem Durchrutschen; für den sicheren Betrieb sollte die tatsächliche Zugkraftdifferenz einen Sicherheitsabstand zu diesem Grenzwert einhalten.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Gegeben sind F2 = 100 N, μ = 0,3 und θ = 180° (entspricht π im Bogenmaß). Einsetzen ergibt F1 = 100 · e^(0,3·π) ≈ 256,6 N.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Eine maximale Zugtrumkraft von 256,6 N bei 100 N Losstrumkraft zeigt, dass unter diesen Bedingungen höchstens eine Zugkraftdifferenz von rund 156,6 N nutzbar ist, bevor der Riemen durchrutscht. Diese Differenz ist die wirksame Umfangskraft Fₜ = F₁ − F₂; multipliziert mit dem Scheibenradius ergibt sie das maximal übertragbare Drehmoment, multipliziert mit der Riemengeschwindigkeit die übertragbare Riemenleistung.

Kräfte in Newton (N), der Reibwert μ ist dimensionslos, der Umschlingungswinkel wird in Grad oder Radiant angegeben – für die Berechnung selbst ist stets das Bogenmaß maßgeblich.

Typische Anwendungen

Die Capstan-Gleichung wird bei der Auslegung von Riemen- und Seiltrieben, Förderbandantrieben, Ankerwinden sowie bei der Dimensionierung von Bremsbändern und Seilklemmen verwendet.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Die Formel beschreibt den statischen Grenzfall unmittelbar vor dem Durchrutschen bei einem masselosen, undehnbaren Riemen. Bei hohen Riemengeschwindigkeiten reduziert die Fliehkraft Fz = A·ρ·v² die Anpresskraft an der Scheibe; in die Eytelwein-Beziehung gehen dann nur die um Fz verminderten Trumkräfte ein. Roloff/Matek setzt die Gleichung zudem für den Grenzfall bei gleichförmigem, langsamem Lauf an und nimmt an, dass der Riemen über den gesamten Umschlingungsbogen an der Kraftübertragung beteiligt ist; im realen Betrieb überträgt nur der Wirkbogen die Umfangskraft. Für Keil- und Keilrippenriemen ist statt μ der Keilreibwert μ′ = μ / sin(α/2) mit dem Rillenwinkel α einzusetzen.

Typischer Fehler: Den Umschlingungswinkel nicht in Grad in die Formel einsetzen, ohne zuvor ins Bogenmaß umzurechnen – der Rechner übernimmt diese Umrechnung automatisch, bei einer Handrechnung muss θ jedoch zwingend in Radiant vorliegen. Außerdem den Reibwert μ nicht mit dem Haftreibwert einer trockenen, sauberen Oberfläche gleichsetzen, wenn der Riemen tatsächlich verschmutzt, verschlissen oder geölt ist.

Häufige Fragen

Warum reicht schon ein mehrfaches Umwickeln einer Poller-Klampe, um große Lasten zu halten?

Weil die haltbare Kraftdifferenz exponentiell mit dem Umschlingungswinkel wächst. Jede zusätzliche Umschlingung erhöht θ um 360° (2π) und vervielfacht damit die mögliche Kraftdifferenz.

Welcher Umschlingungswinkel ist bei einem Riementrieb maßgeblich?

Der kleinere der beiden Winkel, üblicherweise an der kleinen Scheibe, da dort das Durchrutschen zuerst einsetzt.

Wie berechne ich aus dem Ergebnis das übertragbare Drehmoment?

Multipliziere die Differenz aus Zug- und Losstrumkraft (F1 − F2) mit dem Radius der betrachteten Scheibe, zum Beispiel über den bestehenden Drehmoment-Rechner.

Quellen, Methodik und Review

  • Roloff/Matek, Maschinenelemente, 27. Auflage, Kap. 16.3.1 Theoretische Grundlagen zur Berechnung der Riemengetriebe, Gl. (16.3) Eytelweinsche Beziehung, Gl. (16.4) Nutzkraft, Gl. (16.5) Fliehkraft (lokale PDF 978-3-658-46492-9)
  • Dubbel, Taschenbuch für den Maschinenbau, Kap. G 6.2.1 Kräfte am Flachriemengetriebe (Eytelwein, Ruhe- und Wirkbogen nach Grashof, Fliehkraftkorrektur der Trumkräfte)
  • Wikipedia – Capstan equation

Die methodischen Grundsätze, Quellenhierarchie und automatisierten Prüfungen sind auf der Methodikseite dokumentiert. Methodik ansehen

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Zuletzt aktualisiert
2026-09-04