Ingenieurmäßige Vorbemessung

Fliehkraft im schnelllaufenden Riemen

Die Fliehkraft steigt mit der Riemenmasse je Länge und quadratisch mit der Geschwindigkeit; sie vermindert die für Nutzkraft verfügbare Zugkraftreserve.

MINTSI
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Eingaben

Gleichmäßig im laufenden Riemen wirkender geschwindigkeitsbedingter Zugkraftanteil.

Masse eines bekannten Riemenabschnitts der Länge L.

Länge, auf die sich die eingegebene Riemenmasse bezieht.

Lineare Geschwindigkeit entlang der neutralen Riemenfaser.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

Ff = (m/L) · v²

Die Fliehkraft steigt mit der Riemenmasse je Länge und quadratisch mit der Geschwindigkeit; sie vermindert die für Nutzkraft verfügbare Zugkraftreserve.

Eingaben verstehen
  • Riemen-Fliehkraft FfGleichmäßig im laufenden Riemen wirkender geschwindigkeitsbedingter Zugkraftanteil.
  • Masse des Abschnitts mMasse eines bekannten Riemenabschnitts der Länge L.
  • Länge des Abschnitts LLänge, auf die sich die eingegebene Riemenmasse bezieht.
  • Riemengeschwindigkeit vLineare Geschwindigkeit entlang der neutralen Riemenfaser.
Beispiel

1 kg Riemenmasse auf 2 m Länge entspricht q = 0,5 kg/m; bei 20 m/s entstehen Ff = 200 N.

Annahmen und Grenzen

Gleichförmiger Lauf und konstante Linienmasse; Unwucht, Spleiß, Schwingung, Biegung und produktspezifische Höchstgeschwindigkeit bleiben unberücksichtigt.

Fachartikel

Fliehkraft im schnelllaufenden Riemen verstehen

Dieser Rechner bestimmt den Fliehkraftanteil in einem schnell laufenden Riemen. Statt eine möglicherweise unbekannte Linienmasse direkt zu verlangen, kann die Masse m eines bekannten Riemenabschnitts mit seiner Länge L eingegeben werden; daraus folgt q = m/L.

Was beschreibt diese Größe?

Jedes Massenelement des umlaufenden Riemens muss auf der gekrümmten Bahn der Scheibe radial beschleunigt werden. Die dafür erforderliche Kraft erscheint als gleichmäßiger Zugkraftanteil Ff = q·v² = (m/L)·v² im Riemen. Sie wächst quadratisch mit der Geschwindigkeit.

Ein leichtes Seil lässt sich langsam nahezu ohne spürbare Fliehkraft im Kreis führen. Bei doppelter Geschwindigkeit ist für dieselbe Masse jedoch die vierfache Radialkraft nötig. Genau diese quadratische Zunahme beansprucht einen schnelllaufenden Riemen zusätzlich.

Formel und Variablen

Ff = (m/L) · v²

  • q = m/L
  • Ff = q·v²
  • v = √(Ff/q)
  • m = Ff·L/v²
Symbol / EingabeBedeutung
Riemen-Fliehkraft FfGleichmäßig im laufenden Riemen wirkender geschwindigkeitsbedingter Zugkraftanteil.
Masse des Abschnitts mMasse eines bekannten Riemenabschnitts der Länge L.
Länge des Abschnitts LLänge, auf die sich die eingegebene Riemenmasse bezieht.
Riemengeschwindigkeit vLineare Geschwindigkeit entlang der neutralen Riemenfaser.

Eingaben richtig wählen

m und L müssen sich auf denselben Riemenabschnitt beziehen. v ist die lineare Riemengeschwindigkeit an der neutralen Faser, nicht die Wellendrehzahl. Alternativ kann aus einem Datenblattwert in kg/m eine beliebige bequeme Abschnittslänge gewählt und m = q·L eingesetzt werden.

So benutzt du den Rechner

Gib Masse und Länge eines Abschnitts sowie die Betriebsgeschwindigkeit ein. Wähle Ff als Ziel. Für eine zulässige Fliehkraft kann der Rechner nach v umgestellt werden; das Ergebnis ersetzt jedoch nicht die niedrigere produktspezifische Höchstgeschwindigkeit des Herstellers.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Ein 2 m langer Abschnitt wiegt 1 kg, also q = 0,5 kg/m. Bei v = 20 m/s folgt Ff = 0,5·20² = 200 N. Bei 40 m/s wären es bereits 800 N.

Ergebnis und Einheiten verstehen

200 N wirken im gesamten umlaufenden Riemen zusätzlich. Dieser Anteil erzeugt keine Nutzleistung, beansprucht aber den Zugträger und reduziert die verbleibende Reserve bis zur zulässigen maximalen Trumkraft.

Die Linienmasse muss in kg/m und v in m/s vorliegen, damit Newton resultieren. Der Rechner wandelt die auswählbaren Einheiten intern über SI um. Gramm pro Meter sind zahlenmäßig durch 1.000 zu teilen, um kg/m zu erhalten.

Warum ist hohe Riemengeschwindigkeit kritisch?

Da Ff proportional zu v² ist, erhöht eine Geschwindigkeitssteigerung um 10 % die Fliehkraft um 21 %. Gleichzeitig steigen typischerweise Biegefrequenz, Ventilationsverluste und Empfindlichkeit gegenüber Unwucht. Deshalb begrenzen Hersteller die zulässige Geschwindigkeit abhängig von Profil, Scheibendurchmesser und Aufbau.

Typische Anwendungen

Die Rechnung hilft bei schnelllaufenden Flach- und Keilriemen, den Einfluss einer Geschwindigkeitssteigerung zu beurteilen, eine Fliehkraftreserve abzuschätzen und Datenblattangaben zur Riemenmasse in eine Betriebskraft umzusetzen.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Das Modell setzt gleichförmigen Lauf und konstante Linienmasse voraus. Es erfasst weder lokale Spannungsspitzen am Spleiß noch Unwucht, Querschwingungen, Biegespannung, Erwärmung oder die zulässige Drehzahl eines konkreten Riemenprofils.

Typischer Fehler: Drehzahl in min⁻¹ nicht direkt als v einsetzen; zuerst ist die Umfangsgeschwindigkeit zu bestimmen. Außerdem darf die Gesamtmasse des Endlosriemens nur zusammen mit seiner gesamten Länge verwendet werden. Ff nicht mit nutzbarer Umfangskraft Fᵤ verwechseln.

Häufige Fragen

Was ist die Fliehkraft im Riemen?

Ein Zugkraftanteil, der die Riemenmasse beim Umlauf auf der gekrümmten Scheibenbahn hält; nach Dubbel gilt Ff = q·v².

Warum hängt Ff nicht vom Scheibendurchmesser ab?

In der Kraftbilanz eines Riemenelements kürzt sich der Radius zwischen radialer Beschleunigung und der auf den Bogen wirkenden Zugkraft heraus.

Wie bestimme ich die Linienmasse?

Nutze den Herstellerwert in kg/m oder teile die Masse eines bekannten Riemenabschnitts durch dessen Länge.

Überträgt die Fliehkraft Leistung?

Nein. Sie ist ein geschwindigkeitsbedingter Belastungsanteil und reduziert die für Nutzkraft verfügbare Zugkraftreserve.

Darf ich mit dem Rechner die Höchstdrehzahl festlegen?

Nur als Teilprüfung. Herstellergrenzen für Geschwindigkeit, Biegefrequenz, Mindestdurchmesser, Erwärmung und Spleiß sind zusätzlich einzuhalten.