Tj = Ta + P·RthJA

Sperrschichttemperatur eines Halbleiters

Im stationären Zustand steigt die Sperrschichttemperatur linear mit der Verlustleistung; der thermische Gesamtwiderstand RthJA bündelt Gehäuse, Platine und Umgebung.

MINTSI
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Eingaben

Temperatur im Halbleiterübergang im stationären Betrieb.

Temperatur der Umgebungsluft am Bauteil.

Im Bauteil in Wärme umgesetzte elektrische Leistung.

Gesamter thermischer Widerstand zwischen Sperrschicht und Umgebung, inklusive Gehäuse, Platine und Luftstrom.

Vom Hersteller angegebene Grenztemperatur, die im Betrieb nicht überschritten werden darf.

02

Ergebnis

Zielgröße auswählen und Eingaben berechnen.

Rechenweg

Tj = Ta + P · RthJA

Im stationären Zustand steigt die Sperrschichttemperatur linear mit der Verlustleistung; der thermische Gesamtwiderstand RthJA bündelt Gehäuse, Platine und Umgebung.

Eingaben verstehen
  • Sperrschichttemperatur TjTemperatur im Halbleiterübergang im stationären Betrieb.
  • Umgebungstemperatur TaTemperatur der Umgebungsluft am Bauteil.
  • Verlustleistung PIm Bauteil in Wärme umgesetzte elektrische Leistung.
  • Thermischer Widerstand RthJAGesamter thermischer Widerstand zwischen Sperrschicht und Umgebung, inklusive Gehäuse, Platine und Luftstrom.
  • Maximal zulässige Sperrschichttemperatur TjmaxVom Hersteller angegebene Grenztemperatur, die im Betrieb nicht überschritten werden darf.
Beispiel

50 °C Umgebungstemperatur, 2 W Verlustleistung und RthJA = 40 K/W ergeben Tj = 50 °C + 2 W · 40 K/W = 130 °C.

Annahmen und Grenzen

Stationärer Zustand ohne thermische Transienten; RthJA hängt stark von Platinenfläche, Kupferanbindung und Luftstrom ab und ist keine reine Bauteilkonstante.

Fachartikel

Sperrschichttemperatur eines Halbleiters verstehen

Der Rechner bestimmt die stationäre Sperrschichttemperatur eines Halbleiterbauteils aus Verlustleistung, Umgebungstemperatur und thermischem Gesamtwiderstand und zeigt, wie viel thermische Reserve bis zur maximal zulässigen Sperrschichttemperatur verbleibt.

Was beschreibt diese Größe?

Im stationären, thermisch eingeschwungenen Betrieb muss die im Bauteil erzeugte Verlustleistung P über den thermischen Widerstand RthJA vollständig an die Umgebung abgeführt werden. Daraus ergibt sich die Sperrschichttemperatur Tj = Ta + P·RthJA, wobei Ta die Umgebungstemperatur ist. RthJA fasst dabei den gesamten Wärmepfad von der Sperrschicht bis zur Umgebung zusammen: Chip, Gehäuse, Lötstellen, Platine und Luftströmung.

Man kann sich den Wärmefluss wie einen elektrischen Stromkreis vorstellen: Die Verlustleistung P entspricht einem Strom, der thermische Widerstand RthJA einem elektrischen Widerstand, und die Temperaturdifferenz (Tj − Ta) der Spannung darüber – genau wie U = I·R im elektrischen Fall gilt hier ΔT = P·RthJA im thermischen Fall.

Formel und Variablen

Tj = Ta + P · RthJA

  • Tj = Ta + P · RthJA
  • P = (Tj − Ta) / RthJA
  • RthJA = (Tj − Ta) / P
Symbol / EingabeBedeutung
Sperrschichttemperatur TjTemperatur im Halbleiterübergang im stationären Betrieb.
Umgebungstemperatur TaTemperatur der Umgebungsluft am Bauteil.
Verlustleistung PIm Bauteil in Wärme umgesetzte elektrische Leistung.
Thermischer Widerstand RthJAGesamter thermischer Widerstand zwischen Sperrschicht und Umgebung, inklusive Gehäuse, Platine und Luftstrom.
Maximal zulässige Sperrschichttemperatur TjmaxVom Hersteller angegebene Grenztemperatur, die im Betrieb nicht überschritten werden darf.

Eingaben richtig wählen

Verlustleistung P, Umgebungstemperatur Ta und thermischer Widerstand RthJA bestimmen die Sperrschichttemperatur; die zusätzlich angegebene maximal zulässige Sperrschichttemperatur Tjmax erlaubt die Bewertung der verbleibenden thermischen Reserve. RthJA ist stark von der konkreten Platine (Kupferfläche, Lagenzahl), dem Gehäuse und der Luftströmung abhängig und sollte, wo möglich, aus einer für die eigene Anwendung repräsentativen Messung oder Simulation stammen, nicht nur aus dem pauschalen Datenblattwert für die genormte Testplatine.

So benutzt du den Rechner

Wähle die gesuchte Größe. Für die Sperrschichttemperatur gibst du Verlustleistung, Umgebungstemperatur und thermischen Widerstand ein. Um umgekehrt die maximal zulässige Verlustleistung bei gegebener Umgebungstemperatur zu bestimmen, setze Tj auf den Wert von Tjmax und wähle P als Zielgröße.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Bei 50 °C Umgebungstemperatur, 2 W Verlustleistung und RthJA = 40 K/W ergibt sich Tj = 50 °C + 2 W · 40 K/W = 130 °C.

Ergebnis und Einheiten verstehen

Bei einer typischen maximal zulässigen Sperrschichttemperatur von 150 °C für Silizium-Bauteile verbleiben in diesem Beispiel noch 20 K thermische Reserve – ausreichend Abstand für kurzfristige Lastspitzen, aber ohne große zusätzliche Sicherheit bei höherer Umgebungstemperatur oder verschlechterter Kühlung.

Temperaturen werden in °C angegeben, Verlustleistung in W und thermischer Widerstand in K/W; eine Temperaturdifferenz von 1 K entspricht dabei exakt 1 °C Differenz.

RthJA, RthJC und RthCA – was ist der Unterschied?

RthJC beschreibt den thermischen Widerstand von der Sperrschicht bis zum Gehäuse und ist unabhängig von Kühlkörper oder Platine eine feste Bauteileigenschaft. RthCA beschreibt den Widerstand vom Gehäuse zur Umgebung und hängt vom eingesetzten Kühlkörper, der Wärmeleitpaste und der Luftströmung ab. RthJA, der in diesem Rechner verwendete Gesamtwiderstand, ist näherungsweise die Summe aus RthJC und RthCA und deshalb stark von der konkreten Kühllösung abhängig – ein für eine Standard-Testplatine ohne Kühlkörper angegebener RthJA-Wert lässt sich nicht unverändert auf eine Anwendung mit Kühlkörper übertragen; dort sollte stattdessen mit RthJC gerechnet und RthCA für den tatsächlichen Kühlkörper separat bestimmt werden.

Typische Anwendungen

Die Beziehung wird zur Auswahl von Gehäusebauform und Kühlkörper, zur Festlegung der maximal zulässigen Dauerlast eines Bauteils bei gegebener Umgebungstemperatur und zur Bewertung verwendet, ob eine Schaltung ohne zusätzliche Kühlmaßnahmen im spezifizierten Temperaturbereich sicher betrieben werden kann.

Annahmen, Grenzen und typische Fehler

Das Modell gilt für den stationären, thermisch eingeschwungenen Zustand bei konstanter Verlustleistung. Thermische Transienten – etwa kurze Lastimpulse, bei denen die thermische Masse des Bauteils die Erwärmung verzögert – werden hier nicht abgebildet; dafür ist die transiente thermische Impedanz Zth(t) aus dem Datenblatt erforderlich. RthJA ist zudem keine reine Bauteilkonstante, sondern hängt stark von der Leiterplattenausführung, Kupferanbindung und Luftströmung ab; aktuelle Halbleiterhersteller unterscheiden zusätzlich zwischen RthJC (Sperrschicht zu Gehäuse, unabhängig vom Kühlkörper) und RthCA beziehungsweise RthJA (Gehäuse beziehungsweise Sperrschicht zur Umgebung, stark von Kühlkörper und Platine abhängig).

Typischer Fehler: Ein häufiger Fehler ist, den RthJA-Wert aus dem Datenblatt unabhängig von der tatsächlichen Platine zu übernehmen, obwohl dieser Wert meist nur für eine genormte JEDEC-Testplatine gilt und bei abweichender Kupferfläche stark abweichen kann. Ebenso wird die stationäre Formel manchmal auf kurze, gepulste Lasten angewendet, für die stattdessen die transiente thermische Impedanz herangezogen werden muss, da die tatsächliche Spitzentemperatur dort niedriger als der hier berechnete stationäre Wert ausfällt.

Häufige Fragen

Was ist der thermische Widerstand RthJA?

Er gibt an, um wie viel Kelvin die Sperrschichttemperatur pro Watt Verlustleistung über der Umgebungstemperatur liegt, und fasst den gesamten Wärmepfad von der Sperrschicht bis zur Umgebung zusammen.

Was ist der Unterschied zwischen RthJA, RthJC und RthCA?

RthJC (Sperrschicht zu Gehäuse) ist eine feste Bauteileigenschaft unabhängig vom Kühlkörper. RthCA (Gehäuse zur Umgebung) hängt vom Kühlkörper ab. RthJA ist näherungsweise die Summe aus beiden und damit stark von der konkreten Kühllösung abhängig.

Warum beeinflusst die Platine RthJA so stark?

Weil ohne separaten Kühlkörper ein großer Teil der Wärme über die Kupferflächen und Durchkontaktierungen der Leiterplatte abgeführt wird; mehr Kupferfläche und mehr Lagen senken RthJA spürbar gegenüber einer minimalen Testplatine.

Gilt die Formel auch für kurze, gepulste Lasten?

Nur eingeschränkt: Bei kurzen Pulsen wirkt die thermische Masse des Bauteils dämpfend, sodass die tatsächliche Spitzentemperatur niedriger ausfällt als der hier berechnete stationäre Wert; dafür ist die transiente thermische Impedanz Zth(t) aus dem Datenblatt nötig.

Wie erhöhe ich die thermische Reserve eines Bauteils?

Durch Senkung der Verlustleistung, durch einen Kühlkörper oder größere Kupferflächen zur Senkung von RthJA, oder durch eine niedrigere Umgebungstemperatur beziehungsweise zusätzlichen Luftstrom.